Schon vor einiger Zeit stellten wir Euch die neue Heavy Current EP “Ratrace” vor. Nun kommt Jan von Heavy Current im folgenden Interview selbst zu Wort – über Diven, Egomanen und Erinnerungen, doch lest selbst :
Jan, wie geht es Dir heute?
Jan: Danke der Nachfrage, freut mich echt! Ist ja nicht mehr selbstverständlich, dass sich jemand für das Befinden interessiert. Mir geht’s ganz gut!
Wie würdest Du den Stil von Heavy Current beschreiben? Wohin geht “die Reise” bei der neuen e.p. “Ratrace”?
Jan: Ratrace ist mehr ein “Übergangssong” vom Album EDACIOUS zum kommenden Album PUSH THE FIRE. Ratrace zeigt, dass das neue Material, frischer, punkiger, trashiger, aber auch ausgereifter klingen wird, ohne dass wir uns untreu werden. Speziell auf dieser EP wirst du neben dem Titeltrack noch einige sehr gute Remixes vom letzten Album zu hören bekommen.
Welche Bands & Künstler hörst Du privat zu Hause?
Jan: Ich lege mich da Genremässig nicht fest… Bands und Musiker wie IAMX, Muse, Björk, Prodigy, NIN, David Bowie, The Knife, Alec Empire find ich momentan recht interessant, was sich bei mir schnell ändert oder einfach erweitert.
Mit welchen Künstlern oder Produzenten würdest Du gerne mal zusammenarbeiten? Und warum?
Jan: Naja, mit Produzenten möchte ich eigentlich nicht mehr zusammenarbeiten, denn die versuchen immer einen Stempel ihrerseits drauf zu drücken. Klar auf der anderen Seite hab ich ne Menge über Produktionen und gewisse Feinheiten gelernt, aber im Grunde kommt eben nicht das raus, was der Musiker will. Ansonsten gibt es einige Künstler, mit denen ich gern was machen möchte… Björk oder Peter Gabriel zum Beispiel, aber das sind eher Träume. Momentan arbeite ich ja mit echt guten Musikern zusammen, siehe Felix an der Gitarre und Nook an den Drums und ich bin stolz auf die beiden.
Welche neuen Bands / Künstler bewunderst Du im Moment? Was findest Du im Moment innovativ?
Jan: Bewundern ist sehr hochgegriffen, aber die Bands und Künstler, die ich privat höre verfolge ich auch in ihren Produktionsprozessen. Man versucht immer herauszufinden, “… was haben die da gemacht, dass das sooo knallt…”
Innovativ finde ich momentan die Leichtigkeit Musik zu schaffen. Ich selbst arbeite zu 75% an meinem Notebook, was gerade unterwegs richtig praktisch ist. Miditaste, Kopfhörer und Mic – mehr brauchste nicht zum Musik machen.
Künstler sind Egomanen. Wie lief die Zusammenarbeit und Produktion ab? Wie habt Ihr interne Konflikte gelöst?
Jan: Bei der Produktion klappt unser Zusammenspiel recht gut. Ich bringe zwar die schon fast fertigen Songs mit, aber Nook und Felix geben mit ihren Ideen den letzten wichtigen Schliff und ersetzen den einen oder anderen Synth. Selbst Songs die ich schon ins Archiv verbannen wollte, konnten durch die kreative Ader der beiden “gerettet” werden. Sollte es doch verschiede Meinungen geben, diskutieren wir drüber und probieren eben alle Varianten aus, fertig!

Passend zum Thema: Was sind für Dich die Eckpfeiler einer Freundschaft?
Jan: Ehrlichkeit, Loyalität, Humor, Verständnis und der gewisse Draht, der eben ohne Worte zeigt, dass da eine Freundschaft ist.
Es gibt Menschen die behaupten, dass Du eine ziemliche “Diva” bist. Was sagst Du zu dem Vorwurf?
Jan: Ey Leute, kommt einfach zu mir und wir schauen mal bei einem Teechen, was so sehr “Diva” an mir ist, ok! ;)
Du machst seit fast 10 Jahren Musik. Was ist das seltsamste, was Dir je passiert ist?
Jan: An das seltsamste Konzert, an was ich mich erinnern kann, war das Abschlusskonzert auf unserer Tour mit Battle Scream und Cephalgy in Potsdam. Es schienen alle Pannen, die auf Tour hätten passieren können, sich auf ein Konzert zu konzentrieren. Erst fliegt Felix über das Notebook – Stille – Nix kaputt, weiter. Mein Mikrofonständer zerbricht – er war erst fünf Tage alt. Felix reist sein Gurt, dann verfängt sich sein Armband in der Gitarre. Und trotz alle dem, war es eines der besten Konzerte von uns überhaupt. Keine Fehler, super Zuhörer und eine riesen Stimmung!
Gibt es irgendwas, was Du bereust?
Jan: Naja, wie jeder Künstler bereut man nicht das Wissen und das Können schon eher gehabt zu haben – wie auch…? Ansonsten, ich hätte eher mit guten Leuten zusammenarbeiten sollen.
Gibt es ein Konzert, was Dir in bleibender Erinnerung geblieben ist? Und warum?
Jan: Auf der letzten Tour in Dresden musste ich bei EDACIOUS weinen, als ich meinen besten Freund im Publikum sah und wir uns in die Augen schauten. Wir wissen warum… Ansonsten sind mir einige Konzerte in Erinnerung, die in meinen Augen gigantisch waren, nicht weil viele Zuschauer da waren, oder wir ne Menge CD’s vertickt haben, sondern einfach, weil ein magischer Moment da war, der echt nur ganz kurz zu spüren schien…
Einige Staatsanwaltschaften lassen Raubkopieren mittlerweile unbehelligt, wenn diese weniger als 200 Filme oder 3000 Musikstücke heruntergeladen haben. Wie ist Deine Meinung dazu?
Jan: Was soll ich als Künstler sagen? Durch die Staatsanwaltschaft werden auch nicht mehr CD’s verkauft, oder? Es hilft eben nur geile Musik zu machen, die dem Zuhörer motiviert wieder “ja” zu einer CD zu sagen.
Glaubst Du, dass in 15 Jahren noch Tonträger (egal in welcher Form) veröffentlicht werden?
Jan: Tonträger wird es nur noch als “Werbemittel” geben, um eine Tour zu promoten. Wenn du dann ein Ticket kaufen willst, gehst du auf die Bestellseite, ziehst dir das Album und dann kaufst du eben deine Eintrittskarte.
Jan, bist Du religiös? Und wenn ja, woran glaubst Du?
Jan: Nein, ich bin nicht religiös… Das liegt einfach daran, dass alle Religionen sehr nach Regeln und Dogmen agieren und meine Vorstellung von Schöpfung und Verhalten nicht übereinstimmen. Der Glaube selbst ist jedoch frei und erlaubt mir auch meine eigene Welt zu machen. An was ich glaube? Schicksal – das ist bisher das einzige Phänomen was ich wirklich erlebt habe.
Ich gebe Dir drei Stichworte vor und würde mich freuen, dazu ein kurzes Statement von Dir zu hören:
- Kapitalismus: Wer Geld zum glücklich sein braucht, hat’s noch nicht kapiert!
- Apoptygma Berzek: Warum meinen alle, dass wir den gleichen Friseur haben? ;)
- Heimat: Such ich noch, aber werde sie finden…
Jan, vielen Dank für das Interview. Letzte Worte?
Jan: Herzlichen Dank für die Gelegenheit, uns vorstellen zu dürfen! Eure Diva..! :P
Dieses Interview führte Karsten Allenstein.