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The Vincent Black Shadow

14. September 2006 | Von Falk | Kategorie: News, Termine | 28 mal aufgerufen

Ein Name, der Fragen aufwirft. Des Rätsels Lösung ist folgende: The Vincent Black Shadow ist ein amerikanisches britisches Motorrad der Vierziger. Sein Erbauer Philipp Vincent stellte eine ganze Reihe verschiedener Marken her, sie trugen Namen wie The Vincent Black Lightning, The Vincent Black Widow und eben The Vincent Black Shadow. In seinem Buch “Fear And Loathing In Las Vegas” schrieb Hunter S. Thompson, Erfinder des Gonzo-Journalismus, seitenweise über dieses Wunderwerk der Technik. Das Kraftrad war superschnell, eigenwillig konstruiert und besaß dazu einen unverwechselbaren Look, mithin perfekt, um Hunter S. Thompson zu faszinieren.

Rob Kirkham, der Gitarrist und Komponist des gleichnamigen kanadischen Quintetts, stieß während der Lektüre des Kultbuchs “Fear And Loathing In Las Vegas” auf dieses eindrucksvolle Motorrad. “Der Klang des Namens begeisterte mich. Zugleich ist The Vincent Black Shadow auch ein Tribut an Hunter S. Thompson, ein Mann, der den Journalismus nach eigenen Regeln betrieb”, erläutert Rob und fährt fort, “mit meiner Musik versuche ich ebenfalls, so originell wie möglich zu sein. Warum sollen wir das Gleiche wie alle anderen machen?” Die Band aus Vancouver setzt auf Abwechslung. “Wir wollen nicht kategorisierbar sein, weder als Rock-, Gothic- oder Popband”, so Rob. “Ich hasse es, einen Song zweimal zu schreiben. Jedes meiner Lieder hat einen anderen Stil und einen anderen Rhythmus.”

THE VINCENT BLACK SHADOW - Fears In The WaterMit ihrem Debütalbum “Fears In The Water” spannen The Vincent Black Shadow den Bogen ungewöhnlich weit. “Don’t Go Soft” ist beispielsweise eine langsame Ballade im Stil der Fünfziger, abgerundet von opulenten Streicher- und Pianoklängen. Mit seinem kühlen Sound reflektiert der Titelsong “Fears In The Water” Einflüsse der kanadischen Rock-Ikonen Rush einerseits und dem eigenwilligen Stil Mike Pattons andererseits. “House Of Tasteful Men” erscheint als swingender Big-Band-Song mit deftigem Rock’n'Roll im Hintergrund. “Ghost Train Out” schließlich ist eine Country-Ballade mit Pedal Steel Guitar und Johnny-Cash-Feeling. “All diese Nummern scheinen Gegensätze zu sein”, sagt Kirkham “aber sie werden von denselben Menschen gespielt und passen irgendwie zueinander.”

Zusammengehalten wird diese verblüffende Vielfalt von Robs kompositorischer Handschrift und der eindrucksvollen Stimme Cassandra Fords. Die zierliche Vokalistin erhielt ihre Gesangsausbildung in einem Nonnenkloster auf der englischen Isle Of Wight. 2002 wollte eine philippinische Plattenfirma sie zum Star aufbauen, doch nach acht Monaten hatte sie die Nase voll vom seichten Kaugummi-Pop. Sie kehrte nach Vancouver zurück, wo sie mit Rob, seinen beiden Brüdern Chris (Bass/Gesang), Anthony (Schlagzeug) und Mary Ancheta (Tasten) The Vincent Black Shadow gründete. The Vincent Black ShadowRein äußerlich mag Cassandra als graziles Persönchen erscheinen, in Wahrheit ist sie eine taffe Frau mit einer imponierenden Stimme, die zwischen Amy Lee (Evanescence), Debbie Harry (Blondie) und Shirley Bassey rangiert. Als Texterin hat Cassandra Ford einen Faible für Makaberes, ihr “Letters To No One” handelt vom Tabu des Selbstmords; für “Surgery” schrieb sie über die massenhafte Bereitschaft der Menschen, sich unters Messer zu legen, um (vermeintlich) besser auszusehen; mit “Metro” demaskiert sie eine Gesellschaft, die fast komplett unter stimmungsaufhellenden Psychopharmaka und anderen legalen Drogen steht; für “Don’t Go Soft” beschreibt sie schließlich ihre Fantasie, einem Herzensbrecher das Herz buchstäblich in zwei Hälften zu schneiden. Man sieht also, Cass Ford ist eine Dame mit Hang zur dunklen Seite des Lebens.

Musikalisch sind die Kirkham-Brüder erblich vorbelastet, Vater Ray ist seit vierzig Jahren Trompeter im Vancouver Sinfonie Orchester. Wie Ray hält auch Sohn Rob nichts vom gängigen Charts-Futter. “Einen durchschnittlichen Popsong könnte ich in fünf Minuten schreiben. Aber brauchen wir noch mehr Lieder über Liebe und Politik?”, fragt Robbie. Der kreative Kopf sieht The Vincent Black Shadow als Band ohne Vorbild. “Es sind die Gruppen, die ihren eigenen Weg finden, die am Ende überleben”, hat er festgestellt. Um noch einmal auf Hunter S. Thompson zurück zu kommen, würde Rob die Lieder von The Vincent Black Shadow “Gonzo Musik” nennen? “Wir schreiben unsere eigenen Regeln, deshalb könnte man uns durchaus unter Gonzo Musik einordnen.”

Livedates:

21.09.2006 E-Werk - Berlin
22.09.2006 Palais In Der Kulturbrauerei - Berlin
23.09.2006 Mau Club - Rostock
24.09.2006 Rider’s Cafe - Lübeck
25.09.2006 Logo - Hamburg
26.09.2006 Tacheles - Berlin
27.09.2006 Batschkapp - Frankfurt
28.09.2006 Röhre - Stuttgart
29.09.2006 Kantine - Köln
30.09.2006 Riff - Bochum
01.10.2006 Elser Halle - München
02.10.2006 Hirsch - Nürnberg

Links:

THE VINCENT BLACK SHADOW
myspace

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7 Kommentare
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  1. [...] Nick Cave kommt auf Tour(en), The Vincent Black Shadow ist ein Motorrad, Nitzer Ebb sind gerührt und nicht geschüttelt und es werden noch Groupies gesucht. [...]

  2. Dem Bandnamen kann ich nichts abgewinnen und was besonderes sein will ja eigentlich jeder, aber die Musik ist schon nett. ;)
    Verwundert mich jetzt aber, dass jemand meine 2te Assoziation zur Band geteilt hat - erinnert an Evanescence, aber meine erste war vielleicht doch etwas abwegiger, als Blondie - No Doubt :D
    Aber was er versucht klappt ganz gut, die songs klingen (auch emotional) unterschiedlich.
    Achso, der gute Hunter war ganz großes Kino, also verlink ich mal die wiki

  3. Ich nehm den Link oben mit rein. Hab ich gar nicht dran gedacht ;)

  4. [...] Ich schrieb ja schon nebenan eine Menge über die Band. Und seit eben grad rotiert das Debütalbum “Fears In The Water” bei mir im Player und gefällt mir wirklich sehr gut. Leider gibts keine Downloads, um Euch das zu beweisen, aber dafür hats ja myspace und dort kann man in 4 der Songs reinhören. Anspieltip: “Metro”. [...]

  5. Falk,

    wenn das man bloß nicht Rollie Free erfährt, daß du der Vincent amerikanische Wurzeln unterstellst. Der würde glatt in seinem Grab rotieren. Rollie hasste amerikanische Motorräder, und tatsächlich sind nur Engländer in der Lage, derart beeindruckende Motorräder wie eine Vincent herstellen.

    Wer Rollie Free war? Guggst du hier: http://emoto.smugmug.com/photos/85956241-D.jpg. Das Foto zeigt ihn beim Einstellen des Weltrekords für Serienmotorräder auf dem Bonneville Salzsee. Knapp über 150 mph - mehr als 260 km/h. Und das 1948, als es noch keine Hondasuziyamas gab, sondern eine BMW mit 500ccm und 25 PS schon als “schwere Maschine” galt!

    Aber es gab eben einen Spinner wie Philipp C. Vincent, der ohne Rücksicht auf Tradition oder persönliche Verluste Motorräder baute, die auf keiner der damals vorhandenen Straßen ausgefahren werden konnten (folgerichtig stand damals in den Vincent-Prospekten unter dem Punkt “Höchstgeschwindigkeit”: “not yet tested”).

    Da kann es schon mal passieren, daß man bei näherer Beschäftigung mit dem Mythos “Vincent” seine Band danach benennt.

    Oder seinen Sohn… ;)

  6. Vielen Dank für den Hinweis ;) Habs dann direkt mal geändert.

  7. [...] laut.de-Rezension zum wirklich genialen Album “Fears In The Water” von The Vincent Black Shadow. Aber ich sollte solche Sätze auch mal wieder bringen - denn trotz Lobhudeleien bin ich wohl der Einzige bei darkerradio, der daraus Songs spielt… [...]