23 Jahre Revolution – Voll im Untergrund

Keine Sorge, in diesem Artikel geht es nicht um alte Punks, die nach 23 Jahren Revolutionsgebahren schlussendlich als Alkoholleichen im Keller gelandet sind. Vielmehr geht es darum, Revolution, das Da-Gegen-Sein oder auch das “Gegen die, die dagegen sind” für sich selbst zu definieren und/oder zu entdecken. Erwartet man solche Slogans vor allem von Ex-Grufties und Alt-Punks, wird es den ein oder anderen Leser doch verwundern, diese aus den Griffeln eines Elektronikers zu vernehmen.

Brilliert der EBM-Bereich in den letzten 15 Jahren eher durch Pop(p)-”Kultur”, Amphetamin-Missbrauch, Glitter-Wellen und die gerne als “Rennaissance der 80er EBM-, Minimal- und Industrial-Bewegung” bezeichnete “Modernisierung” des Sounds, entpuppt er sich doch zu oft als das, was er ist – Ein Placebo für Wochenend-Grufties, die sich in der Techno-Szene übersehen fühlen und endlich mal richtig “evil” und “true” sein wollen.

Aber es geht auch anders. “23 Years Of Revolution” tritt die Beweisführung an.

23yearsofrebellion

Was ist dieser ominöse “Underground” überhaupt? Oft gehört, noch öfter missinterpretiert und von nur wenigen wirklich gelebt. Gerne wird eine Band, ein Künstler oder ein Projekt dem “Underground” zugeordnet, wenn sie kommerziell keinen Stich machen und sie keine Sau kennt. Eure Garagenband oder der Kumpel von euch, der in einer abgewrackten Kneipe Samples mit Keyboard-Klängen mixt ist nicht von vorneherein “Underground”. “Underground ist Kunst” ist eine der wichtigsten Aussagen in diesem Zusammenhang.

Schaffe ich ein musikalisches Genre, oder verbinde ich Musikstile in der Art, dass sie einen künstlerischen, vielleicht sogar innovativen Wert besitzen, ist es egal, ob ich zwei oder zwei Millionen Platten verkaufe – ich bin Underground. Klassisches, zur Veranschauung angeführtes Beispiel ist David Bowie. Multi-Millionär und trotzdem der Dark-Prince of Underground. “Underground” hat also nichts mit Kommerz zu tun, nicht mit monetärem Erfolg oder dem Risikowert von Investitionskapital, sondern mit Kunst, mit dem kreativen Erschaffen von etwas Neuem und der inneren Liebe zu diesem Schaffen, dem Befriedigen von elementaren Bedürfnissen nicht durch die wirtschaftliche Entlohnung, sondern durch das gebähren eines Kreativums.

Im Übrigen ist es absolut verständlich und niemandem vorzuwerfen, dass heute die Diversifizierung von Subkulturen, das erobern von Mini-Märkten selbst von Major-Labeln voran getrieben wird, denn durch die neuen, technischen Möglichkeiten bedarf es nur einer kurzen Kosten/Nutzen Analyse, um einen Markt und sein Potential, die zu erwartenden Risiken und Gewinnspannen zu bewerten. Und warum sollte ein Unternehmen, dass sogar durch das Handelsgesetzbuch zum Profit machen gezwungen wird, die einzelnen “Subkulturen” nicht kommerziell verwursten? Nur hat die kommerzielle Ausweidung von Kunst nichts mit dieser, ihrer Seele und ihrer Natur zu tun und so ist auch eine von RTL, Pro7, SAT1 oder weiß weiß ich wem zusammengecastete Band nur ein Produkt, auch wenn dieses so tut, als sei es Underground.

Bevor jetzt jemand meint, der Autor dieses Artikels sei ein monetärer Kostverächter, entgegne ich etwaigen Zweiflern noch schnell ein “Ja” auf die Frage, ob Kunst und Geld überhaupt zusammen passt. Ich füge aber an, dass die Relation oft nicht stimmt und sich meiner Meinung nach diese Frage überhaupt nicht stellt, da Kunst nichts mit Geld und Geld nichts mit Kunst zu tun hat. Ich frage ja auch nicht, ob Plüschbären SUV-Autos fahren können.

Wenn du den Artikel bis hierhin gelesen hast, dann kannst du dir auch gleich noch die Mühe machen, echten Underground für lau herunterzuladen. Denn diese obskuren Ausführungen dienen nur einem Zweck: Gib dem echten Underground eine Chance!

cover-front

Tracklist:

  1. KP1 – Einheit (played as an Intro)
  2. Eternal Nightmare – I don’t care
  3. Zwarte Poezie – Zilver
  4. (((S))) – Mesmerized (Magnetic Mix)
  5. Dead Candy – Am Ende
  6. Yvy Demina – Opportunity (Remix)
  7. Arts of Erebus – Brotherhood of Sleep (Remix)
  8. LaUD23 – Fernseher
  9. Machine Rox – Rock is back
  10. Phantom Pain – Straight Jacket
  11. Naukilot – Vostok Vladivostok
  12. Sturtzfrequenz – Deutsches Fernsehn
  13. Vadot – Falscher Glanz
  14. The Dark Unspoken – One Day (Demo Version)

Download:

  Various Artists - 23 Years of Rebellion (104,3 MiB, 526 hits)

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