Roßlau Burgnächte 22-24. September 2006
18. Oktober 2006 | Von Falk | Kategorie: KonzertberichteEs sind diese kleinen schnuckeligen Festivals, die für Szene so wichtig sind.
Anders als bei diesen Mega-Festivals ist die Plattitüde von hautnah die Stars erleben eben keine mehr.
Man trifft Sven Friedrich oder sieht die Mitglieder von Inkubus Sukkubus über das Gelände schlendern. Alles war sehr familiär und die Wasserburg zu Roßlau allemal eine bessere Location als ein staubiges Flughafengelände.
Neben den musikalischen Highlights gab es noch Lesungen in den Gewölben des Burginnenhofs und Ausstellungen abstruser Skulpturen (Incestum) und Lightbrush-Fotografien im Torhaus(Jörg Gründler).
Den undankbaren Job des Festival-Eröffners hatten die Senkrechtstarter von Monozid aus Leipzig. Danach kamen Katanga, die Golden Apes und Scream Silence auf die Bühne.
Vor dem Hauptact Clan of Xymox hatten dann The Dreamside die Ehre. Unbestrittener Höhepunkt des Abends war dann Eva O. - Nicht auf der Hauptbühne, sondern im lauschigen Burginnenhof präsentierte sie ihre Akustikperformance, welche sich sinnigerweise “Stripped” nannte.
In den Umbaupausen liefen im Torhaus Kurzfilme und Clips von Christian von Aster, bei denen unter anderen kein geringerer als Bela B. mitwirkte. Die Aftershow Party wurde dann von DJ Thomas Thyssen, DJ Zauberengel und DJ-Team Anhalt Machinery gestaltet.
Etwas verkatert fanden sich dann die ersten Festivalbesucher zum frühen Nachmittag des Samstags vor der Hauptbühne ein um Reptyle beizuwohnen. Vom Sound erinnerte viel an Sisters of Mercy, aber das ist natürlich rein subjektiv gefärbt, aber welche Band mag schon Vergleiche? Zum Abschluss faszinierte Splinter vor allem durch ihren androgynen Sänger, bei dem man sich fragte: Wo kommt bei diesem schmächtigen Typ die Wahnsinnsstimme her?
Spätestens hier fiel auf, dass pure elektronische Musik rar gestreut war; dieses Fähnlein hielten aber Coinside hoch. Aber natürlich auch Stendal Blast waren elektronischer Natur und spielten nach Age of Heaven und Funhouse.
Kaaja Hoyda (Anmerkung: Stendal Blast Sänger) ist immer wieder ein Genuss - Ich selber empfinde es immer als sehr wohltuend, wenn sich Künstler nicht all zu erst nehmen. Im Anschluss an das Konzert gab es dann noch eine Lesung im rappelvollen Gewölbe des Burgcafes. Das Publikum war fröhlich und ausgelassen und selbst ein kurzer Stromausfall tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Wenn ihr irgendwann mal die Möglichkeit habt, einer Lesung von Kaaja Hoyda beizuwohnen - geht hin!
Am späten Nachmittag fand in dem Gewölbe noch eine Lesung des KunstStoffKlubs aus Leipzig um den Vordenker Hauke von Grimm statt. Der Workshop vorher mit Christian von Aster wurde kurzerhand ins Grüne verlegt. Auf der Hauptbühne buhlten derweil The invincible Spirit um die Gunst der nun schon recht zahlreich erschienen Zuhörer. Mein absoluter Höhepunkt an diesem Abend war Inkubus Sukkubus.
Nach einer Feuershow von “Faulée Taubée” (ja, die hießen wirklich so) kamen dann die lang ersehnten Headliner: Zeraphine. Besonders erfreulich für eingefleischte Zeraphine-Fans, war die Tatsache, dass viele neue Stücke zu hören waren.
Aber auch an diesem Abend war nach den angekündigten Konzerten noch nicht Schluss, als die letzten Lichter auf der Hauptbühne erloschen. Zum einen, weil im Burginnenhof noch “Swans of Avon” mit einem Accustik Set brillierten und zum anderen weil es in den verschiedenen Burggemäuern noch reichlich Musik aus der Konserve um die Ohren gab. (Unter anderem von M:A:M-San Diego Team Leipzig und DJ Glampire Tom aus Berlin.) Leider und das wurde von den Besuchern moniert nur bis um Drei und das ist doch eine recht unchristliche Zeit, um eine Party ausklingen zu lassen.
Vom “Resterficken” sprach Christian von Aster, als er am Sonntagmittag seine Lesung im Torhaus begann. Ganz so schlimm war es dann doch nicht. Immerhin fanden sich reichlich (ca. vierzig) Leute ein, um seinen Worten zu lauschen. Und Spaß hatten die allemal, auch wenn Christian von Aster natürlich gern mehr Leute, mit seiner “Trolligen Weihnacht” (um nur eine Geschichte zu nennen) bespaßt hätte. Das gilt auch für Boris Koch ebenfalls aus Berlin, der im Anschluss gelesen hat.
Fazit: Wohltuend wenig elektronische Musik, die eben nicht dieses Live-Feeling hat und etwas mehr Mittelaltermusik, auch wenn ich nicht unbedingt ein großer Anhänger eben dieser bin, aber auf eine Burg hätte das gepasst. Mehr von diesen kleinen Festivals, die viel mehr Charme und Atmosphäre haben, als diese Mega-Festivals, denn die Szene hat soviel gute Musik zu bieten, die in der vermeintlich zweiten Reihe steht.




