Interviews

:Wumpscut: im Interview

11. Februar 2009 | Von Andy | Kategorie: Interviews, News | 307 mal aufgerufen

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Ein neues :Wumpscut: Album im ersten Quartal des Jahres ist mittlerweile schon fast Tradition geworden. So beglückt uns Rudy Ratzinger auch dieses Jahr wieder mit einer neuen Veröffentlichung. Am 3.April 2009 erscheint “Fuckit”. Dies nahm ich zum Anlass Rudy zu diesem und anderen Themen zu befragen.

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Wenn stumme Stimmen reden – P24 im Interview

13. November 2008 | Von Andy | Kategorie: Interviews, News | 110 mal aufgerufen

Am 05.09.2008 erschien das zweite Album von P24 “Stimmen bleiben stumm”. Seit über 12 Jahren ist Rico musikalisch aktiv. Unter anderem als Mastermind der Band “D.-Pressiv” so wie Remixer von Camouflage, !distain, Lights of Euphoria und vielen weiteren. Lest im folgenden Rico´s Gedanken zu Gefühlen, Plänen und das neue Album :

Rico, wie geht es Dir heute?
Sehr gut, danke, sehr gut.

Jemand hat Dich kürzlich als überzogen emotionalisiert und schüchtern bezeichnet. Trifft das zu ?

Ja, ich bin zwar ein sehr emotionaler Mensch, aber als überzogen emotionalisiert würde ich mich nicht bezeichnen. Und ob ich schüchtern bin, will ich selber nicht beurteilen. Aber sollte es so sein, sehe ich dies nicht als schwäche sondern Stärke.

Große, vielleicht übertriebene Gefühle spielen bei P24-Songs eine wesentliche Rolle. Wie siehst Du das ?

Ohne Emotionen lassen sich Melodien erst gar nicht kreieren. Ob das nun übertrieben wirkt, kann ich nicht beurteilen, würde es aber in die Riege subjektiver Wahrnehmung einordnen. Klar ist, dass ich in den Songs meine persönlichen Erlebnisse verarbeite, auch wenn meine Standpunkte oftmals rein subjektiv zu betrachten sind. Aber anders funktioniert es nun mal nicht.

Bist Du nach über 12 Jahren musikalischer Geschichte immer noch nervös wenn ein neues P24-Album erscheint ?

Und wie! Ich bin und war nie der coole Künstler, an dem Kritik völlig spurlos vorbei gegangen ist. Sicherlich wächst im Laufe der Zeit eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit Kritik oder der Tatsache, dass man auf der Bühne genauestens beobachtet wird. In den ersten Jahren hat mir das Lampenfieber ziemlich zugesetzt, aber inzwischen ist das ganze schon weitgehend entspannter geworden.

Coolness, genauso wie Sexyness, sind zwei grundlegende Pop-Begriffe, die im Zusammenhang mit P24 praktisch keine Anwendung finden.

Ich muss nicht cool sein und bin sind es insofern auch nicht, als dass die Pose bei mir niemals vor der Aussage steht. Den popüblichen Sold an Coolness können andere abarbeiten. P24 bzw. ich stehe auch genauso wenig für Sexyness. Sexy würden ich und meine Liveband uns nicht nennen. Jedenfalls tue ich auch nichts dafür, als sexy wahrgenommen zu werden.Ich stehe für meine Texte, die Musik und dafür, dass beides etwas bei den Zuhörern auslösen soll.

Kommen wir zu Deinem neuen Album „Stimmen bleiben stumm“. Gilt „Stimmen bleiben stumm“ als allgemeines Lebensmotto von Dir ?

Bestimmt nicht! Es gibt viel zu sagen…. Und werde dies auch konsequent tun.Es gibt aber kaum einen Titel der lebensbejahender, intensiver und konsequenter ist als der Titeltrack meines neuen Albums „Stimmen bleiben stumm“. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Entwicklung der Menschheit enorm zugelegt. Der Prozess läuft und läuft und läuft. Es wird immer schneller wie ich finde. Egal aus welchem Augenwinkel man es betrachtet. Ob negativ oder positiv, ob aus sozialer, politischer oder technischer, wissenschaftlicher Hinsicht. Es stellt sich die Frage: Was kommt in der Zukunft noch auf uns zu? Es gibt die Stimme der Vorahnung, die Stimme der Neuankündigung, die Stimme der Angst, die Stimme der Träume, die Stimme der Hoffnung…usw. Was ist wenn diese Stimmen stumm bleiben?

Inhaltlich werden viele Themen von Dir durchleuchtet. Unter anderem ein aktuelles Topthema „Geldgier“. Was willst Du uns hier in Zeit wo Banken zusammenbrechen als wären es Frittenbuden mit auf den Weg geben ?

Geldgier – Das Thema ist in unserer heutigen Gesellschaft mehr als nur aktuell. Der Song ist eine Psycho-Variation des Mottos „Je höher der Aufstieg umso tiefer der Fall“ wenn man nicht aufpasst. Der Ehrgeiz zum Reichtum ist wie Feuer es sollte unter Kontrolle sein und man sollte nicht damit zu offensichtlich herumspielen denn sonst verbrennt man sich sehr leicht.Oder anders ausgedrückt: Der materielle Faktor unserer Gemeinschaft wächst proportional zum technischen Fortschritt und dem Willen, immer mehr und mehr zu erreichen. Die Gemeinschaft, die unser Leben bereichern sollte, wird dabei in verschiedene Gruppierungen gespalten. Aus der Geschichte unserer vorherigen Generationen wissen wir, dass wir wieder auf den Höhepunkt der früheren Ständegesellschaft hinarbeiten, und wie das endet wissen wir auch aus der Geschichte. Es schmerzt, zusehen zu müssen, wie Gier und Neid unsere Gemeinschaft zerstören. Meinen Protest drücke in Form von Songs aus und hoffe, dass er viele Menschen erreicht und anspricht.

Ist ein Musikprojekt mit devoter Gefolgschaft, wie P24, eigentlich frei von Stalkern ?

Das schöne an diesem komischen Ding P24 ist das völlige Ausbleiben von jeglichem Personenkult. Ich versuche auch alles dafür zu tun, dass das so bleibt. Meinem Selbstverständnis nach bin ich Musiker und kein Star. Auch liebe ich den Kontakt zu meinen Fans, somit war das Thema “Stalking” bisher nie eines.

Spielst Du gerne Konzerte ?

Ich liebe die Bühne, und natürlich ist das auch die Chance, neue Zuhörer zu gewinnen.

Hast Du einen regelmäßig wiederkehrenden Traum, der mit Deinem künstlerischen Schaffen zu tun hat ?

Früher träumte ich von einem Plattenvertrag bei einem großen Label, aber die Realität hat auch mich über die Zeit hinweg eingeholt, deshalb sucht man sich Faktoren im Leben, die den Weg zum Wunschdenken unabhängig gestalten. Hinzu kommt, dass mein früherer Traum jetzt nicht mehr zu meinen Plänen passt. Ich habe einen Weg gefunden, um mich musikalisch zu vewirklichen, das ist doch traumhaft.

Was planst Du/Ihr für die nächste Zeit ?

Live wieder auf Bühnen unterwegs sein, es wird eine Remix-Variante des aktuellen Albums “Stimmen bleiben stumm” online veröffentlicht und ausserdem ist eine neue EP als Featuring mit dem Produzenten “Ohrenfleisch” plus dazugehörigem Bühnenkonzept in Vorbereitung. Es gibt noch sehr viel zu tun.

Ich gebe Dir drei Stichworte vor und würde mich freuen, dazu ein kurzes Statement von Dir zu hören:
- Kapitalismus

Die abgewandelte Form der Planwirtschaft, nur ohne realistischen Plan.

- Egoismus

Zerstört sehr viel Lebensqualität untereinander.

- Gefühle

Geben uns Kraft und Zuversicht, um Mensch zu sein.

Dein Schlusswort  ?

Danke für das Interview, Danke an das DarkerRadio-Team für den Support und wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und vorallem endlos wachsende Zuhörerschaft. Wir hören uns! Tune it !

01 Geldgier
02 Zu weit weg
03 Haferschleim und Müslibrei
04 Der Himmel ist frei
05 Genug ist genug
06 Nur für einen Moment
07 Auf und davon
08 Freiheit aus Träumen
09 Geheimnisvoll
10 Hallo Gewalt!
11 Neid
12 Blickfeld
13 Stimmen bleiben stumm

VÖ : 05.09.2008 Phobotaxis Media
P24 MySpace

Das Interview führte Karsten Allenstein.



Heavy Current im Interview

26. Oktober 2008 | Von Andy | Kategorie: Interviews, News | 98 mal aufgerufen

Schon vor einiger Zeit stellten wir Euch die neue Heavy Current EP “Ratrace” vor. Nun kommt Jan von Heavy Current im folgenden Interview selbst zu Wort – über Diven, Egomanen und Erinnerungen, doch lest selbst :

Jan, wie geht es Dir heute?

Jan: Danke der Nachfrage, freut mich echt! Ist ja nicht mehr selbstverständlich, dass sich jemand für das Befinden interessiert. Mir geht’s ganz gut!

Wie würdest Du den Stil von Heavy Current beschreiben? Wohin geht “die Reise” bei der neuen e.p. “Ratrace”?

Jan: Ratrace ist mehr ein “Übergangssong” vom Album EDACIOUS zum kommenden Album PUSH THE FIRE. Ratrace zeigt, dass das neue Material, frischer, punkiger, trashiger, aber auch ausgereifter klingen wird, ohne dass wir uns untreu werden. Speziell auf dieser EP wirst du neben dem Titeltrack noch einige sehr gute Remixes vom letzten Album zu hören bekommen.

Welche Bands & Künstler hörst Du privat zu Hause?

Jan: Ich lege mich da Genremässig nicht fest… Bands und Musiker wie IAMX, Muse, Björk, Prodigy, NIN, David Bowie, The Knife, Alec Empire find ich momentan recht interessant, was sich bei mir schnell ändert oder einfach erweitert.

Mit welchen Künstlern oder Produzenten würdest Du gerne mal zusammenarbeiten? Und warum?

Jan: Naja, mit Produzenten möchte ich eigentlich nicht mehr zusammenarbeiten, denn die versuchen immer einen Stempel ihrerseits drauf zu drücken. Klar auf der anderen Seite hab ich ne Menge über Produktionen und gewisse Feinheiten gelernt, aber im Grunde kommt eben nicht das raus, was der Musiker will. Ansonsten gibt es einige Künstler, mit denen ich gern was machen möchte… Björk oder Peter Gabriel zum Beispiel, aber das sind eher Träume. Momentan arbeite ich ja mit echt guten Musikern zusammen, siehe Felix an der Gitarre und Nook an den Drums und ich bin stolz auf die beiden.

Welche neuen Bands / Künstler bewunderst Du im Moment? Was findest Du im Moment innovativ?

Jan: Bewundern ist sehr hochgegriffen, aber die Bands und Künstler, die ich privat höre verfolge ich auch in ihren Produktionsprozessen. Man versucht immer herauszufinden, “… was haben die da gemacht, dass das sooo knallt…”
Innovativ finde ich momentan die Leichtigkeit Musik zu schaffen. Ich selbst arbeite zu 75% an meinem Notebook, was gerade unterwegs richtig praktisch ist. Miditaste, Kopfhörer und Mic – mehr brauchste nicht zum Musik machen.

Künstler sind Egomanen. Wie lief die Zusammenarbeit und Produktion ab? Wie habt Ihr interne Konflikte gelöst?

Jan: Bei der Produktion klappt unser Zusammenspiel recht gut. Ich bringe zwar die schon fast fertigen Songs mit, aber Nook und Felix geben mit ihren Ideen den letzten wichtigen Schliff und ersetzen den einen oder anderen Synth. Selbst Songs die ich schon ins Archiv verbannen wollte, konnten durch die kreative Ader der beiden “gerettet” werden. Sollte es doch verschiede Meinungen geben, diskutieren wir drüber und probieren eben alle Varianten aus, fertig!

Passend zum Thema: Was sind für Dich die Eckpfeiler einer Freundschaft?

Jan: Ehrlichkeit, Loyalität, Humor, Verständnis und der gewisse Draht, der eben ohne Worte zeigt, dass da eine Freundschaft ist.

Es gibt Menschen die behaupten, dass Du eine ziemliche “Diva” bist. Was sagst Du zu dem Vorwurf?

Jan: Ey Leute, kommt einfach zu mir und wir schauen mal bei einem Teechen, was so sehr “Diva” an mir ist, ok! ;)

Du machst seit fast 10 Jahren Musik. Was ist das seltsamste, was Dir je passiert ist?

Jan: An das seltsamste Konzert, an was ich mich erinnern kann, war das Abschlusskonzert auf unserer Tour mit Battle Scream und Cephalgy in Potsdam. Es schienen alle Pannen, die auf Tour hätten passieren können, sich auf ein Konzert zu konzentrieren. Erst fliegt Felix über das Notebook – Stille – Nix kaputt, weiter. Mein Mikrofonständer zerbricht – er war erst fünf Tage alt. Felix reist sein Gurt, dann verfängt sich sein Armband in der Gitarre. Und trotz alle dem, war es eines der besten Konzerte von uns überhaupt. Keine Fehler, super Zuhörer und eine riesen Stimmung!

Gibt es irgendwas, was Du bereust?

Jan: Naja, wie jeder Künstler bereut man nicht das Wissen und das Können schon eher gehabt zu haben – wie auch…? Ansonsten, ich hätte eher mit guten Leuten zusammenarbeiten sollen.

Gibt es ein Konzert, was Dir in bleibender Erinnerung geblieben ist? Und warum?

Jan: Auf der letzten Tour in Dresden musste ich bei EDACIOUS weinen, als ich meinen besten Freund im Publikum sah und wir uns in die Augen schauten. Wir wissen warum… Ansonsten sind mir einige Konzerte in Erinnerung, die in meinen Augen gigantisch waren, nicht weil viele Zuschauer da waren, oder wir ne Menge CD’s vertickt haben, sondern einfach, weil ein magischer Moment da war, der echt nur ganz kurz zu spüren schien…

Einige Staatsanwaltschaften lassen Raubkopieren mittlerweile unbehelligt, wenn diese weniger als 200 Filme oder 3000 Musikstücke heruntergeladen haben. Wie ist Deine Meinung dazu?

Jan: Was soll ich als Künstler sagen? Durch die Staatsanwaltschaft werden auch nicht mehr CD’s verkauft, oder? Es hilft eben nur geile Musik zu machen, die dem Zuhörer motiviert wieder “ja” zu einer CD zu sagen.

Glaubst Du, dass in 15 Jahren noch Tonträger (egal in welcher Form) veröffentlicht werden?

Jan: Tonträger wird es nur noch als “Werbemittel” geben, um eine Tour zu promoten. Wenn du dann ein Ticket kaufen willst, gehst du auf die Bestellseite, ziehst dir das Album und dann kaufst du eben deine Eintrittskarte.

Jan, bist Du religiös? Und wenn ja, woran glaubst Du?

Jan: Nein, ich bin nicht religiös… Das liegt einfach daran, dass alle Religionen sehr nach Regeln und Dogmen agieren und meine Vorstellung von Schöpfung und Verhalten nicht übereinstimmen. Der Glaube selbst ist jedoch frei und erlaubt mir auch meine eigene Welt zu machen. An was ich glaube? Schicksal – das ist bisher das einzige Phänomen was ich wirklich erlebt habe.

Ich gebe Dir drei Stichworte vor und würde mich freuen, dazu ein kurzes Statement von Dir zu hören:

- Kapitalismus: Wer Geld zum glücklich sein braucht, hat’s noch nicht kapiert!
- Apoptygma Berzek: Warum meinen alle, dass wir den gleichen Friseur haben? ;)
- Heimat: Such ich noch, aber werde sie finden…

Jan, vielen Dank für das Interview. Letzte Worte?

Jan: Herzlichen Dank für die Gelegenheit, uns vorstellen zu dürfen! Eure Diva..! :P

Dieses Interview führte Karsten Allenstein.



Reebosound: Ich wollte einen natürlichen Trashfaktor bewahren

13. September 2006 | Von Falk | Kategorie: Interviews | 223 mal aufgerufen

Ein weiterer Newcomer aus unserem Voting im September stellt sich vor. Diesmal allerdings nicht ausschliesslich mit seiner Musik, sondern Missu wurden Löcher in den Bauch gefragt. Unser Dank gilt Nico von nicorola.de, welcher das Interview führte.

Sven Missullis ist der Kopf hinter REEBOSOUND, dessen selbstbetiteltes Album seit August zum kostenlosen Download inkl. Cover auf der Seite www.reebosound.de bereit steht. Und mir haben die 12 Indie-Rocksongs so gut gefallen, das ich dachte: “Den Mann mußt du interviewen.” Also habe ich mich überwunden und eine E-Mail geschrieben. Und Missu war tatsächlich bereit, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Reebosound

nicorola: Dein neues, selbstbetiteltes Album mit 12 Songs und knapp 30 Minuten Spielzeit steht unter www.reebosound.de zum kostenlosen Download bereit. Siehst Du in diesem Schritt eine Chance oder eher eine Notwendigkeit?

Missu: Ich denke von beidem etwas. Ich war aus dem Studio zurück und habe mir Gedanken gemacht, was ich nun mit den Aufnahmen anstellen will. Sicher hätte ich es auch nett gefunden, die CD mit einem Label im Rücken pressen zu lassen, aber da ich Reebosound erst im Winter 2005 offiziell ins Leben gerufen habe und auch erst im Februar dieses Jahres begonnen habe erste Konzerte zu geben, hatte ich als Unbekannter einfach keine Lust dazu, Labels anzuschreiben und diesen ganzen Kram durchzuziehen. Ausserdem wollte ich die CD so schnell wie möglich und auf dem einfachsten Weg zu Gehör bringen, und dafür ist das Internet einfach fantastisch geeignet. Desweiteren habe ich mich auch dazu entschlossen weil ich bei der CD – abgesehen vom Mix und der großen Hilfe von Willi Dammeier im Studio – alles alleine gemacht habe, und so fand ich den Gedanken schön, für diese CD weiterhin alleine verantwortlich zu sein, was auch bedeutet, dass ich die Songs überall kostenlos anbieten kann und damit anstellen kann was ich möchte, ohne das mir jemand dazwischen funkt. Schließlich geht es bei Musik in erster Linie darum, dass sie gehört wird. Dafür mache ich sie zumindest.

nicorola: Über welchen Zeitraum sind die Songs entstanden?

Missu: Der größte Teil ist von 2005 und 2006. Es sind aber auch ein paar ältere dabei, die ich einfach loswerden wollte. Der mit Abstand älteste Song ist „Number”. Der muß so um 2001 entstanden sein. Hat mich aber nie losgelassen, und so habe ich ihn schließlich mit aufgenommen. Dadurch daß ich, wie gesagt, ein paar ältere loswerden musste, gibt es auch eine ganze Reihe neuer Songs, die bis zum nächsten Mal warten müssen. Aber so haben sie auch noch etwas Zeit zu reifen.

nicorola: Du hast alle Instrumente im Alleingang im “Institut für Wohlklangforschung” in Hannover aufgenommen. Hast Du auch alleine produziert?

Missu: Ja, ich habe auch alle Songs selber produziert.

nicorola: Wie kann man sich bei Dir den Aufnahmeprozess vorstellen? Eher wie eine Bürotätigkeit mit festen Zeiten oder hast Du quasi im Studio gewohnt?

Missu: Ich habe dort so gut wie gewohnt und bin nur kurzzeitig zum schlafen nach Hause gefahren. Meistens stand die Sonne dann allerdings schon relativ hoch. Generell nutze ich lieber die Nacht um aufzunehmen. Ich kann nicht genau sagen warum, aber irgendwas ist anders, wenn man nachts aufnimmt. Es ist ruhiger und entspannter als am Tag … die Nacht ist irgendwie unabhängiger…

nicorola: Bist Du mit dem Ergebnis zufrieden?

Missu: Inzwischen schon. Nachdem der Mix fertig war hatte ich anfangs so meine Probleme mit gewissen Sachen. Ich war einfach nicht mehr objektiv, nachdem ich die Songs so oft gehört hatte. Also habe ich die fertigen Aufnahmen vor der Online-Veröffentlichung an ein paar Freunde gegeben und sie nach ihrer Meinung gefragt. Die Reaktionen waren gut bis sehr gut. Das habe ich mir zu Herzen genommen und alles so gelassen, ein Cover gemacht und dann alles zusammen ins Internet gestellt. Manchmal ist es schwierig, wenn man für jedes Instrument und alle Stimmen selber verantwortlich ist. Man hört jede kleine Unsauberkeit. Dennoch wollte ich keine zu saubere Platte machen und habe bewusst darauf verzichtet irgendwas zu editieren, sprich zu schneiden, wenn mal etwas nicht richtig auf die Eins kommt oder unsauber im Anschlag oder vom Ton ist. Ich wollte einen natürlichen Trashfaktor bewahren.

nicorola: Wo siehst Du deine musikalischen Einflüße?

Missu: Sicherlich in allem was ich gehört habe und noch immer höre. Früher habe ich viel Punk und Hardcore gehört, dann kam Rock dazu, elektronisches, ein bisschen Klassik…alles mögliche, was mir gefällt. Natürlich spiegelt sich das nicht alles in meiner Musik wieder, aber darum geht es auch gar nicht. Wenn ich Songs mache denke ich nicht nach. Ich mache sie und entweder sie gefallen mir und ich behalte sie, oder sie sind Schrott.
Um ein paar Musiker/Bands zu nennen, die ich sehr schätze, fallen mir spontan David Bowie, Dinosaur Jr., Melvins, Cardigans, Royal Trux, Gorillaz oder Dackelblut ein… Das könnte ich jetzt ein paar Seiten so fortsetzen und mit Sicherheit habe ich gerade die wichtigsten vergessen…

nicorola: In Deinen Texten geht es oft um das Alles-hinter-sich-lassen, um das Auflehnen oder das Resignieren. Verarbeitest Du eigene Erfahrungen?

Missu: Zu einem gewissen Teil schon, der Rest ist Fiktion. Es fällt mir manchmal leichter über Dinge zu schreiben, die vielleicht bedrückend wirken, als über fröhlich-leichtes. Manche Dinge könnten anders laufen in unserer Welt, aber ich möchte nicht den Zeigefinger heben. Jeder trägt ja irgendwie seinen Teil dazu bei, dass es ist wie es ist. Vermutlich besteht ein Teil der allgemeinen Probleme aus mangelnder Kommunikation, falschem Stolz und Ängsten und der Schwierigkeit, damit umzugehen. Aber darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen. Ich mache Musik, und in erster Linie geht es mir um die Musik und die Melodie. Ich bin noch kein besonders geübter Texter. Daher dauert der Text bei meinen Songs meist am längsten.

nicorola: Du warst in den vergangenen Monaten auf Tour, u.a. im Juli auch in Berlin. Wie war die Resonanz? Bist Du zufrieden?

Missu: Ja, es war sehr schön. Allerdings habe ich das Berlin Konzert absagen müssen, weil in dem Laden nur ein akustisches Konzert möglich gewesen wäre. Ich habe zwar schon Reebosound-Konzerte unplugged gespielt, mit Begleitung oder solo, bin aber gerade nach den neuen Aufnahmen zu dem Schluss gekommen, dass die aktuellen Songs bei den Konzerten nur mit Band Sinn machen. Zur Zeit bin ich mit meiner neuen Liveband fleissig am Proben, und die nächsten Konzerte sind bereits in Planung.

nicorola: Wie steht es mit anderen Projekten, z.B. “The Psychedelic Avengers”?

Missu: Die Psychedelic Avengers sind ein ganz wunderbares Projekt. Eine ganz andere Herangehensweise als z.B. bei Reebosound oder bei andern Bands, mit denen ich spiele oder gespielt habe. Bei den Avengers geht es in erster Linie darum, die Songs für die CD zu machen, ohne dabei den Liveaspekt zu berücksichtigen. Ein riesiges Projekt mit fantastischen Musikern aus vielen Teilen der Welt. Jeder trägt seinen Teil zum Ganzen bei. Im Allgemeinen spiele ich sehr gerne mit unterschiedlichen Musikern zusammen und habe Spass an verschiedenen Projekten. Ob es nun für eine einmalige Session in irgendeinem Proberaum ist, oder etwas Umfangreicheres, spielt dabei erstmal keine Rolle. Der Ausgleich in einer Band oder in einem Projekt zu spielen, in dem man “nur” seinen Teil des Instruments ausmacht und nicht wie bei einem Soloprojekt alles zurecht legt, ist sehr wichtig für mich. Sich zurück zu nehmen ist das wirklich Spannende am Musik machen. Ich habe lange gebraucht das zu verstehen Meinen musikalischen Mittelpunkt bildet allerdings Reebosound. Alles andere kommt dahinter und geschieht drumherum….und das ist gut so, denn vermutlich könnte das eine ohne das andere nicht so richtig auskommen.

nicorola: Vielen Dank für das Interview.

Das Album REEBOSOUND gibt es auf der Seite www.reebosound.de inkl. Cover zum kostenlosen Download. Alternativ könnt ihr euch die CD für den fairen Preis von 5,- Euro + Versand bestellen.

Quelle: Interview: REEBOSOUND
Lizenz (Interview): http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/de/