Essays

Think About Mutation

23. Juli 2006 | Von Falk | Kategorie: Essays | 99 mal aufgerufen

Oder “Die Geschichte eines genialen Geheimtips, welcher von einem Label kaputt gemacht wurde…”

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Urheberrecht in Deutschland

20. Juni 2006 | Von Falk | Kategorie: Essays | 69 mal aufgerufen

Und seine Auswirkungen auf die wirklichen Musikfans.

Nein, keine Angst, dies wird kein ellenlanger Artikel. Kein offener Brief, wie beim Johnny und auch sonst mag ich dies jetzt alles nicht so wirklich ausformulieren wollen. Die Diskussion läuft seit Jahren und seit Jahren tut sich nicht wirklich viel in dieser Beziehung. Die GEMA pocht immer noch darauf, gefragt zu werden, wenn man Musik zum Download anbieten möchte, egal ob der Urheber/Textdichter überhaupt bei denen Mitglied ist.

Jede Musiknutzung muß im Vorfeld bei der GEMA angemeldet werden. Sofern Sie keine GEMA-pflichtige Musik verwenden, fallen auch keine Vergütungen an.

Nicht gewusst? Macht nichts – interessiert mich persönlich auch nicht die Bohne, wo es nichts zu vergüten gibt, werd ich den Bürokratie-Elefanten mit Sicherheit nicht auch noch zusätzlich “belasten”. So einfach könnte das sein – aber so einfach ist es dann eben auch wiederum nicht.

Denn man kann ja auch Verlinken. Verlinken auf so unzählige Angebote, die man im Netz findet. Und hier lauern dann die größten Gefahren. Ist man sich sicher, das die Files berechtigterweise ins Netz gestellt wurden, dann greift die von mir schon gebrachte Linkregelung.

Im Gegensatz zu einer immer wieder geäußerten Meinung handelt es sich bei Links nämlich nicht um Zitate im Sinne des UrhG, denn ein Zitat setzt schon begrifflich voraus, daß der fremde Inhalt im Rahmen des eigenen Inhalts präsentiert wird. Ein Link auf einen fremden Inhalt stellt aber nur einen Verweis dar, ohne den fremden Inhalt auf der eigenen Seite wiederzugeben. Er ist daher rechtlich wie ein bloßer Verweis oder eine Fußnote in wissenschaftlichen Werken einzuordnen (so z. B. auch Schricker, Kommentar zum Urheberrecht, Rn. 22 zu § 16). Eine urheberrechtliche Relevanz besteht daher nicht.

Wichtig ist hier allenfalls, das das eigentliche Angebot dann hier in Deutschland nicht gegen das Urheberrecht verstösst. Dies dürfte zum Beispiel bei vielen Youtube-Videos zumindest fraglich sein. Was hier dann die GEMA dazu sagt, weiss ich nicht mal. Aber da hier keine Vervielfältigung stattfindet, dürfte sich das Thema dann an der Stelle erledigt haben. Untermauert wird dies durch ein Urteil, auf welches mich der Nachbar aufmerksam machte.

Insoweit führt der BGH dann aus, dass durch das Setzen eines Links kein urheberrechtlicher Störungszustand geschaffen wird, wenn das Werk bereits durch den Berechtigten selbst ohne jegliche Schutzmaßnahmen ins Netz gestellt wurde. Die Möglichkeit des Abrufs und der Nutzung des Werks ist durch den Berechtigten selbst geschaffen worden und jeder beliebige Nutzer ist deshalb in der Lage, das Werk auch ohne Verwendung des Hyperlinks aufzurufen.

Soweit so gut. Was allerdings fehlt sind klare Regelungen und Vergütungssätze für eben die modernen Formen der Musiknutzung. Die Rede ist von Podcasts, Mashups oder Videos bei denen im Hintergrund Musik läuft. Immer unter der Voraussetzung gedacht, dass damit kein Geld verdient wird. Und an dem Punkt hat der Gesetzgeber bisher mehr als nur versagt. Ich find es nachvollziehbar, dass man sich die gewerbliche Nutzung vergüten lässt. Ich kann es zu einem Teil auch noch für die unkommerzielle Nutzung wie z.B. bei Internetradios oder Podcasts nachvollziehen. Ich kann es absolut nicht mehr verstehen, wenn ein Privatmensch wegen eines Soundfiles hunderte von Euro an irgendwen bezahlen soll.

Musik braucht Luft zum Atmen – Musik muss sich entfalten können und muss genutzt werden können. Musik muss man hören können, auch ohne dafür erstmal etwas bezahlen zu müssen. Und erst wenn die Industrie dies verstanden hat, wird sie sich zukünftig auch wieder über mehr Musikliebhaber freuen dürfen.

Und zum Schluss nochmal der Hinweis auf das Promonet der IODA (Independent Online Distribution Alliance) – dort finden sich viele schöne Sachen. Ob allerdings die GEMA mit dem weltweiten Clearing der Promofiles einverstanden ist? Ich glaub wir fragen mal besser nicht nach…

(Danke an den Musikdieb für die Steilvorlage)



Freie Musik = minderwertig?

27. Mai 2006 | Von Falk | Kategorie: Essays | 57 mal aufgerufen

Nebenan beim Musikdieb gibts wieder mp3-Empfehlungen. Und hier die Empfehlung da mal vorbeizusurfen. Und dabei stiess ich dann auf einen Fred im Heise-Forum, welches ich aufgrund des hohen Anteils an Trollen eher meide, denn aufsuche. Und siehe da, ein Sammelthread für freie Musik wird aufgemacht und prompt…

Ich möchte jedenfalls Metallica hören wenn mir danach ist, und keine drittklassige Garagenband, die irgendwie nach Metallica klingt…

Jetzt könnte man – ob dieser Aussage – in enorm viele Richtungen philosophieren. Aber ich versuchs mal nicht ausufern zu lassen. Ein Stück weit Wahrheit steckt ja drin in dieser Aussage, aber auch wieder genau das Denken, welches ich persönlich als falsch empfinde. Erstmal haben auch Metallica anfangs nicht die glänzenden Produktionsmöglichkeiten gehabt. Sie haben auch verdammt miese Lieder geschrieben, schlechte Gigs gegeben usw. Aber das blendet der gemeine Fan irgendwann aus und übersieht, das es doch nur noch um die Hülle geht. Die Verpackung kann man schaffen – mit genug Geld im Background, guten Produzenten und einem Budget jenseits von gut und böse. Und die Menschen werden damit geblendet. Abgelenkt von dem, um was es bei Musik eigentlich in meinen Augen geht. Nämlich um die Idee, den Ansatz, die Ausarbeitung von Kunst und deren konsequente Weiterentwicklung.

Das Schlimme an dieser oben genannten Denke ist dann eben, das sich diese Menschen gar nicht die Mühe geben, mehr als nur den Schein wahrzunehmen. Scheuklappen!? Oder ists schlicht Faulheit, denn wenn ich das wollte, würde ich mit Sicherheit bei den Semiprofis und Garagenbands einige finden, welche handwerklich und mit ihren Songideen und Texten der Supergroup Metallica das Wasser reichen könnten. Man muss eben dann ein paar Abstriche machen. Denn diese Bands haben nunmal den Schritt in den Kommerz (aus völlig unterschiedlichen Gründen) noch nicht geschafft. Bekommen aber auch (weil die Käufer sehr oft diese in meinen Augen seltsame Denkweise besitzen) diese Chance, um um die Musik herum noch die Hülle zu bauen, gar nicht erst.

Welcher A&R geht denn heutzutage noch das Risiko ein, eine Band auf lange Sicht aufzubauen? Keiner? Paar ganz wenige?

Und warum? Weil die Käufer genau so denken, wie der Mensch da oben. Weil die gescholtenen Plattenfirmen zwar nicht ganz unschuldig dran sind, aber eben auch auf diesen oberflächlichen Markt nur reagieren.

Gibts eine Lösung? Wurde ich auch nebenan im Gulli gefragt und zitiere (auch wenn der Anlass ein wenig anders war) mal meine Meinung zu den Käufern von Musik.

Das ist jetzt allerdings alles etwas unsortiert – ich boykottier schon seit langem diese Art der Geschäftemacherei und versuch (im kleinen Rahmen) einen gewissen Gegenpol zu schaffen (Förderung unbekannter Künstler, eigenes Webradio etc.) – aber das ist eben wenn auch nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein.

Wichtig wäre, dass viele einfach mal wieder ihre grauen Zellen anstrengen und nicht so bequem sind. Hinterher beschweren war schon immer einfach, erstmal was gegen das tun, was einen aufregt, verlangt viel Denken im Vorfeld. Zuviel verlangt?

Ich möchte niemanden vorwerfen, er wäre zu bequem. Das ist sein gutes Recht, das darf er sein. Er darf sich aber dann auch nicht über das Ergebnis seiner Verhaltensweisen beschweren.

Denn ein Kaufboykott auf breiter Front findet eben doch nicht statt und die Umsätze sind ganz im Gegenteil immer noch steigend (aus unterschiedlichen Gründen)

Und genau das mein ich damit – es würde ja gehen, aber es tut keiner. Aber regt sich dann in aller Welt auf, wenn er/sie mit zig MP3 von bekannten Künstlern in Tauschbörsen erwischt wird. Mal ungeachtet der Frage, ob man dies legalisieren kann oder sollte. Aber darum gehts einfach nicht. Ich hab mit meinem Konsumverhalten die beste Einflussmöglichkeit – nur warum nutzt diese Macht keiner kaum wer?



Ich habs getan oder wie kaufe ich das neue Album von Pearl Jam

28. April 2006 | Von Falk | Kategorie: Essays | 61 mal aufgerufen

Bin ja nicht so der Typ, der jedem Hype gleich hinterherhechelt. Und konnte oder wollte auch lange Zeit itunes nicht so richtig trauen. Mehrfach nahm ich Anlauf mir die Software zu installieren und mehrfach blieb immer ein recht schales Gefühl dabei zurück. Aber man bleibt ja neugierig und versucht trotz allem das (Erfolgs)geheimnis zu verstehen. Und siehe da – es lautet schlicht und ergreifend “Einfachheit”. Es ist verdammt einfach sich dort Musik zu kaufen. So zumindest mein zwischenzeitliches Fazit und ich kann absolut nichts verwerfliches dran finden. Okay, da war mal was mit diesen berühmt berüchtigten DRM-Maßnahmen.

Aber weg von Metadiskussionen hin zum Praxistest in Kürze.

Pearl JamLes ich also heute eine Rezension über das neue Album von Pearl Jam, welches genauso betitelt ist wie der Bandname lautet. Na wer kommt drauf? Egal – Spass beiseite – itunes aufgerufen, denn es klang interessant und ich bin eh manipulierbar – also wollt ich es nun haben. Offiziell erscheint wohl die CD am kommenden Dienstag (wenn ich das jetzt recht im Kopf habe). Also gesucht – gefunden – gekauft. Dauer dieses Vorgangs: 20 Sekunden(!) oder in Worten: zwanzig Sekunden. Der Download selbst nahm ca. 3-5 Minuten in Anspruch, während der ich mich anderen Dingen widmen konnte. Und dann wars da – und was macht man als erstes? Rischtisch – man brennt für seinen besten Freund eine CD gelle :) Also Rohling rein – Button “Brennen” angeklickt und 4 Minuten später war sie fertig – unsere neue Audio-CDR. Nun gut – das kann ja nun nicht alles sein, denn mein Kumpel möchte sich die bestimmt auch auf seinem tragbaren mp3-Player anhören. Also starten wir mal während wir hier anfangen zu schreiben justamente Audiograbber. Hmm … komisch, Album nicht erkannt? Na sowas aber – da hats noch keiner in die FreeDB eingepflegt. Allerdings bin ich auch ein eher schreibfauler Zeitgenosse und hab ja noch Alternativen. Nehmen wir also QCD-Player mit passenden Plugins und siehe da – da haben wir dann auch die Titel.

Nun denn – schaun wir doch mal, was drauss geworden ist. Rischtisch! Wir haben das schicke neue Album von Pearl Jam nun als mp3-Files (Flags – Copyrighted: No Original: Yes). Das Kopieren auf den mp3-Player der Tochter spar ich mir allerdings jetzt und nein, diese Files landen auch nicht in einer Tauschböre, auf einem FTP-Server oder ähnliches.

Also noch mal zusammengefasst – es dauert sage und schreibe rund 10 Minuten vom Gedanken das Album haben zu wollen, bis es hier als zweitverwertete mp3 auf der Platte war. Und ja, ich find das wirklich klasse. Puristen mögen mir verzeihen – ich hab halt auf das Cover und die “bessere” Qualität verzichtet :) Es war mein erster Musikkauf seit langem (Gründe wahrscheinlich etwas andere, als wohl bei den meisten) und es war mein erster Online-Download-Kauf überhaupt.

Vor- und Nachteile, Bedenken gegenüber Apples Firmenpolitik oder Ähnliches darf dann gern hier diskutiert werden. Ich muss allerdings sagen, Hut ab vor Apple, die es tatsächlich geschafft haben, eine DAU-gerechte Oberfläche für Downloads anzubieten.



IFPI und Co. – eine unendliche(?) Geschichte

4. April 2006 | Von Falk | Kategorie: Essays | 58 mal aufgerufen

Okay, dass ich oben genannter Interessenvertretung nicht grad wohlgesonnen bin, weiss man, wenn man hier ab und an mal mitliest. Das ich allerdings auch auf der Seite von *Künstlern* bin (und damit sind nicht die aufgeblasenen Superstars gemeint) und diese unterstütze und deren gerechte Entlohnung als Grundvoraussetzung für den Fortbestand des Abendlandes sehe, ist auch bekannt. Und dann muss ich heute folgendes lesen.

IFPI tritt neue Klagewelle los

Die Musikwirtschaft setzt ihre Strategie der Abschreckung und *Erziehung* fort und bringt am 4. April weltweit fast 2000 neue Verfahren gegen Filesharer auf den Weg. Damit steigt die Zahl der Verfahren außerhalb der USA auf nunmehr 5500, davon betroffen sind 18 Nationen. Der neue Vorstoß findet in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Dänemark, Finnland, Italien, Schweden, Hongkong, Südafrika und Island statt. Erstmals gibt es zudem Verfahren in Portugal. Hier brach das legale Musikgeschäft in den vergangenen vier Jahren um 40 Prozent ein.(Quelle: Musikwoche)

Hervorhebung von mir. Mal gaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz langsam … Erziehung?! Schrieben die da tatsächlich Erziehung? Also Abschreckung geh ich ja noch mit, aber bitte – wo bleibt da die Erziehung? Oder ums mal anders auszudrücken, soll ich jetzt meine Kinder immer wegsperren bei Brot und Wasser, nur weil sie mal nicht das getan haben, was ich mir vorstellte? Das diese ganze Kampagne a, das Thema völlig verfehlt und b, dies nur eine “Leckt mich doch am Arsch – Eure Scheisse kauf ich nie mehr”-Stimmung erzeugt, dürfte nun mittlerweile auch bis zu Herrn John Kennedy durchgedrungen sein. Da werden schon wieder Zahlen durch den Raum geprügelt, die einer ernsthaften Überprüfung mit Sicherheit kaum standhalten würden – und das alles nur, weil man nicht akzeptieren kann, dass *weltweit* nunmal weniger Geld für diese gequirlte Scheisse seichte Mainstream-Musik zur Verfügung steht, für deren Rechteverwirkerverwerter nunmal die IFPI eintritt. Und yeah – da pfeifts aus Amerika UK (verdammte Axt, da hatte ich doch glatt IFPI-Chairman John Kennedy nach USA aussiedeln lassen) und schwupps ist der gute Onkel der Deutschen Phonoverbände auch wieder in den Medien.

Deutsche Musikwirtschaft hält an P2P-Verfolgung fest

Angesichts der ersten Erfolge im legalen Onlinegeschäft will die deutsche Musikwirtschaft am Vorgehen gegen P2P-Piraterie festhalten. “Der legale Musikvertrieb im Internet entwickelt sich positiv und wird von unserer Branche vorangetrieben”, erklärt Michael Haentjes, Vorsitzender der Deutschen Phonoverbände. “Wichtig ist aber auch, dass wir gegen illegale Musikanbieter konsequent vorgehen, damit die legalen Shops ausreichenden Raum für ihren Service haben.” (Quelle: Musikwoche)

Jawoll – immer drauf auf die bösen[TM] Raubkopierer. Mit aller Härte – macht kaputt, was Euch kaputt macht. Fragt sich nur, wer bei letzterem schneller ist, die Musikwirtschaft oder der Verbraucher.

Das Rennen kann beginnen…

Schön nur zu sehen, das man, selbst wenn man genau hinschaut, die gesamten Indielabels nicht sieht. Denn diese sind hier in Deutschland in der VUT organisiert und für diese sind die Kunden noch Kunden und keine Schwerstverbrecher.

In Deutschland sind im Rahmen des internationalen Kampfs gegen die P2P-Piraterie seit März 2004 rund 3000 Klagen von der IFPI und der von ihr beauftragten Pirateriespezialisten von proMedia gegen illegale Musikanbieter im Internet zur Anzeige gebracht worden. “Inzwischen wurden mehr als 500 zivilrechtliche Vergleiche geschlossen; die weiteren Verfahren sind noch bei den Staatsanwaltschaften anhängig. Die Schadensersatzzahlungen lagen zwischen 2000 und 15000 Euro, der Durchschnitt beträgt 3000 Euro”, zählen die Vertreter der deutschen Musikwirtschaft auf.

Und wenn erst die Novelle zum Urheberrecht beschlossene Sache ist und die Musikwirtschaft einen erweiterten Auskunftsanspruch gegenüber Providern hat, ja dann – dann dürfen sich die jetzt schon überforderten Staatsanwälte aber freuen. Die Chancen, dann wegen Geringfügigkeit oder wegen Verjährung (?) nicht belangt zu werden steigen irgendwie überproportional an. Oder aber man lässt dann die ganzen anderen “schweren Jungs” einfach laufen. Vielleicht erledigen sich dann viele Probleme von ganz allein, wenn sich die Gesellschaft selbst ausrottet. Willkommen im Mittelalter – oder auch

Die spinnen doch, die Römer!



Ziviler Ungehorsam?

7. Februar 2006 | Von Falk | Kategorie: Essays | 58 mal aufgerufen

Ziviler Ungehorsam ist der aus Gewissensgründen und gewaltfrei vollzogene bewusste Verstoß gegen ein Gesetz, eine Pflicht oder den Befehl eines Staates oder einer anderen Macht. Im Gegensatz zu einem Streik ist er nicht rechtlich abgesichert, und der Ungehorsame nimmt bewusst in Kauf, dafür bestraft zu werden. Wer zivilen Ungehorsam ausübt, gilt als Anarchist oder Staatsfeind, da er eine fremde Herrschaft über seine Aktivitäten ablehnt.

Soweit Wikipedia zu dem Begriff im Titel.

Nachdem ich letztens ja schon über die VUT-Kampagne “Respect The Music – Copy Protection Free” gestolpert bin, mal wieder ein Fundstück aus dem Netz.

“P2P-Austausch ist dasselbe wie der Diebstahl einer CD im Geschäft!” “Wir müssen Künstler davor schützen, von Verbrauchern im Internet ausgeraubt zu werden”.

Solche und ähnliche Botschaften erreichten den “geliebten” Kunden der Musik(industrie)wirtschaft ja in den vergangenen Jahren gehäuft via Werbespot, Kinowerbung und quadratmetergroßen Plakatwänden in den Innenstädten. Man verschlief die Erscheinung “Internet” und sah die eigenen Felle davonschwimmen. Aber mal ehrlich, das Problem Internetpiraterie ist ja durchaus ernst zu nehmen – aber doch nicht, indem man eigene Fehler seinen “Kunden” zuschiebt. Aber genau dies wurde getan und dann sogar noch versucht, massiv in die Politik und die Gesetzgebung einzugreifen und das sogar stellenweise mit Erfolg. Von daher passt der Begriff “Ziviles Ungehorsam” ganz gut auf das, was die Herren Labelmanager der Big Three (sind ja nur noch 3, die 80% des Tonträgerumsatzes in Deutschland generieren) jetzt beobachten dürfen.

Es ist dieses “Jetzt erst recht…”, was die Leute dazu bewegt, trotz aller Angstmache seitens der Industrie, weiter fleissig privat Musik zu tauschen. Und warum auch nicht – das wurde früher schon gemacht, halt nur in anderer Qualität. Aber wirkungsvoll verhindern und unterbinden kann man es nicht. Und ein *Unrechtsbewusstsein* erzeugt man mit dieser Taktik sowieso nicht. Hier wäre der Dialog *frühzeitig* angemessen gewesen und nicht die Konfrontation. Und wenn ein (mittelmäßiges) Produkt sich nicht mehr so gut verkauft* wie früher, dann muss man eben erst über das Produkt nachdenken, anstatt den (Nicht)käufern die Schuld zuzuweisen. Kleine Fussnote in der Mitte: Die Musikindustrie beklagt ja lediglich einen recht geringen Umsatzrückgang, welcher einhergeht mit einer etwas geringeren Gewinnmaximierung. Konkrete Zahlen hält man ja gern unter Verschluss, aber die frohen Botschaften seitens der IFPI waren nie zu übersehen!

Sei es drum, bitterer ist die ganze Geschichte eher für die restlichen 20%, welche sich z.B. in Deutschland hunderte von (stellenweise nur aus Idealismus geführten) Labels teilen müssen. Diese sind sozusagen der Kollateralschaden der großen Politik, denn diese gehen zwar noch auf ihre Kunden ein – aber leiden jetzt unter der allgemeinen Meinung, dass alles, was mit dem Verkauf von Musik zu tun hat ja eh nur raffgierige Manager sind. Und mal eine persönliche Meinung dazu, diese 20% bringen 1000% bessere Musik auf den Markt, als die großen 3.

Aber ich möchte zum Ende kommen – eigentlich wollte ich ja lediglich auf eine Kampagne aus Brüssel hinweisen. Dem Säbelrasseln der Industrie begegnet der Europäische Verbraucherverband BEUC nun mit einer Kampagne für digitale Verbraucherrechte und einer eigenen Website, auf der sich verunsicherte Konsumenten über ihre Rechte aufklären lassen können. Seit etwa Mitte Januar sind alle Informationen auch auf Deutsch verfügbar und das Ziel ist klar “Aufklären, statt zu verbieten!” und genau so sollte es letztendlich ja auch sein oder?

consumersdigitalrights.org
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