2. Orkus Festival Club Tour im Schlachthof Wiesbaden am 4.10.06
24. Oktober 2006 | Von Kamuflaro | Kategorie: KonzertberichteKommunikativ zu sein hat seine Vor- und Nachteile…
Einerseits unterhält man sich mit Leuten, die meinen sie hätten schon bessere Konzerte einer Band erlebt, was dann ein wenig die Laune drückt und andererseits kann man so die hübschen Bilderchen ergattern mit denen dieser Artikel hier bespickt ist. Einfach die nette Dame neben sich mit dem Riesen-Fotoapparat mal fragen, ob sie die Bilder bei uns veröffentlichen will, wenn man eh schon im Gespräch ist.
Bevor ich näher auf die Bands eingehe erst mal ein paar Worte zur Location, sprich dem Ambiente. Das Ganze läuft unter dem Titel Festival, wie man im Titel der Veranstaltung ganz gut erkennen kann, aber ehrlich gesagt, kam bei mir nicht gerade Festivalstimmung auf.
Egal…
Der Schlachthof ist quasi eine große Lagerhalle mit einem Anbau in dem sich noch eine andere nicht direkt dazugehörende Bar und natürlich Backstagebereich und Toiletten befinden.
Warum ich das sage?
Weil die Herrentoilette eine, nein zwei Blechwannen anstelle von Pissoirs hatten, das sah ein wenig eklig aus - Habe sie mir dann auch nicht näher angeguckt - wollt dann nur möglichst schnell mein Geschäft erledigen und wieder verschwinden… Resultierenderweise habe ich mich dann auf einen Besuch dort beschränkt, auch wenn die Getränkepreise für eine Flasche Malzbier bzw. einer Cola erfreulicherweise bei einem Euro lagen. Wobei das Problem bei der Cola ist, dass du zwar Cola bestellst aber Afri bekommst. Sinn macht das nicht, also nehmt bitte ebenfalls zur Notiz, dass man wenn man eine Cola bestellen möchte an einer Örtlichkeit, an der man noch nie zuvor Cola bestellt hat, dann auch auf Coca Cola bestehen sollte und sich nicht so ein Gesöff andrehen lässt.
Wer jetzt meint ich sei in Meckerlaune, der hat vermutlich ganz Recht, denn es kommt noch besser…
Mit dem Getränk, dass sich Cola schimpft, aber keine ist, in der Hand sieht man sich mal vor der Bühne um - ziemlich stabile Gitter, ob da wirklich Fotographen riskieren wollen zwischen diesen Gittern, die für Headbanger bestens geeignet sind und der Bühne zu stehen? Aber ich wollte ja meckern: Also stand ich da vorne, hab meine Jacke irgendwo verstaut und mir ein wenig die Musik im Vorprogramm angehört - das war zumindest der Plan.
Der Fehler war, dass der Anteil an Musik gleichzog mit dem Anteil an gottverdammter, schnöder Werbung für ein und das selbe Produkt und das ging mir so was von auf den Zeiger, besonders, wenn man bedenkt, dass die Werbeheinis, die so was verbrechen eigentlich wissen müssten, bzw. recherchiert haben sollten, wie man gewisse Namen ausspricht… Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber was würdet ihr davon halten alle drei Minuten mit derselben Werbung über eine Stunde hinweg berieselt zu werden? Stumpfsinnig ist das und bringt mich dazu so etwas dann als Konsequenz nicht (mehr) zu unterstützen.
Nun denn, kommen wir ohne weitere Umschweife zur Vorband des Abends: Die unglaublich schlechten Down Below. Ich hatte schon die Befürchtung, dass die nachfolgenden Bands dann nachziehen würden…
Vielleicht sollte ich ein paar begründende Worte für meine durchaus schmähende Betitelung sagen. Die Musik der Band war ok, an der habe ich klangtechnisch nichts auszusetzen, aber der Gesang ist nicht so das Gelbe vom Ei, wenn er mal in der Tonlage hochgeht klingt das sehr seltsam und wenn er dann wieder runtergeht und wie HIM klingt, dann brauch ich dazu wohl nichts mehr zu sagen. Aber ehrlich gesagt hat der Knabe schon verloren, als er angefangen hat halb pantomimisch, halb roboterartig mit den Armen zu zappeln, das war nichts Halbes und nichts Ganzes, sondern einfach lahm…
Wieso er dann am Ende der Show das Hemd auszog und einen Blick auf seine enthaarte Putenbrust gewährte weiß ich auch nicht… Gott bewahre, aber das sah so sehr nach einer Boyband aus, dass ich mir den Affront schlechthin erlaubt habe: “Wie sieht der denn aus?” Aber er wirkte auf mich einfach verklemmt und gesanglich deplaziert. Orkus, das war ein Griff in die sprichwörtliche Porzellanschüssel.
Genug. Weiter im Text.
Die folgenden Zeromancer haben glücklicherweise nur in einem Punkt angefangen, wo die Vorband aufgehört hat. Die Rede ist von der Oberkörperbekleidung des Frontmannes. Die Betonung liegt hier auf Mann - Da waren wenigstens ein paar Haare zu sehen, aber ich wollt mich ja jetzt nicht mehr mit der Vorband beschäftigen.
Die Schnuckelchen haben gleich ein wenig Tempo ins Spiel gebracht und kamen mit ihrem größten Hit “Doctor Online” auf die Bühne. Insgesamt war es eine gute Show, wenn auch nur wegen dem Einstiegssong, Dem Cover “Send me an Angel” von “Real Life” und natürlich dem Evergreen “Clone your Lover”. Die restlichen Songs klangen einfach nicht so prickelnd für mich, was der allgemeinen Stimmung in der rechten Ecke vor der Bühne keinen Abbruch tat, wo man fröhlich zur Musik auf und ab hüpfte. Ich persönlich hätte gerne noch eine Zugabe gehört, bin mir auch recht sicher, dass ZMR noch eine gespielt hätte - so von der Stimmung her machten die nämlich auch einen guten Eindruck, aber beim Publikum hat es leider nicht geklappt und die schnell einspringende seichte Hintergrundmusik zusammen mit dem satten Licht seitens des Veranstalters, bzw. des angestellten Personals hätte jeglichen Versuch im Keim erstickt.
Vielleicht nicht die Supi-Dupi Band für jemanden (wie mich), der die Platten nicht kennt und daher etwas ernüchternd, aber keinesfalls enttäuschend.
Als nächstes stand Unheilig auf dem Programm, aber den konnte man ja vorher auch schon am Merchandise Stand bewundern, belagern und begatten… Moment begatten konnte man ihn nicht, aber sich mit ihm fotografieren lassen und diverse… Objekte… sich unterschreiben lassen. Ich habe dem Ganzen nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt - vornehmlich wurden da wohl spezielle Autogrammkarten unterzeichnet, aber wer weiß wovor der nicht zurückschreckt - obgleich da mehrere Schreibutensilien herumlagen. Ich übertreibe mal wieder etwas, aber will eigentlich nur meinen, dass er publikumsnäher ist, als ich gedacht hätte.
Die Show war dann eher Geschmackssache, den einen konnte das Zappeln, wie ein verwirrter Dirigent eines Monsterrockorchesters auf Speed gepaart mit weit ausladenden Gestiken gestört haben und der Andere bewundert die Bühnenpräsenz des Grafen im Schweiße seines Angesichts - Und Schweiß floss reichlich. Ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn er noch mehr, als sein Jackett abgelegt hätte. Dem war aber (leider) nicht so - man muss ja nicht alles nachmachen, was die Jugend von heute so treibt.
Mich konnte von dem ganzen neuen Kram des Grafen nichts wirklich überzeugen und die “Feuerzeugschwingzugabe” hätte man sich auch sparen können… Lediglich “Sage ja” hat er von der “Phosphor” gespielt, ansonsten bin ich kein wirklicher Fan von “Moderne Zeiten” und ausgerechnet mit dem gleichnamigen Song kam er auf die Bühne… Rückblickend war dann doch “Freiheit” für meine Wenigkeit der Höhepunkt des Konzerts, weil dieses Stück einfach polarisiert. Es ist ein herrliches Stück zum Mitsingen und das hat seitens des Publikums eigentlich ganz hervorragend funktioniert.
Für mich war Unheilig eher eine Enttäuschung, der eingefleischte Fan im Publikum hingegen war aber sichtlich und hörbar begeistert von der Live-Premiere des Songs “Mein König”. Mir sind die Füße dabei eingeschlafen - der nette Herr neben mir sah sich zu einem “Yatta!”* hingerissen. Denn bei Unheilig nimmt man sich die Wünsche der Fans zu Herzen und dieser Titel war live offensichtlich heiß begehrt. Ich will es noch einmal betonen, dass nur ich der Vorstellung nicht wirklich viel abgewinnen konnte, dem Publikum schien es ganz gut zu gehen, so bewegte man sich doch in der üblichen Grufti-Manier von links und rechts und zurück - schwer für mich in Worten zu beschreiben, ohne mehrere DinA4 Seiten zu verfassen - will heißen, dass man tanzte.
Der wohl geplante, aber nicht gefühlte Höhepunkt war dann irgendwo im letzten Drittel des Konzert, als Peter Spilles die Bühne betrat und es hieß: “Ich will leben” Aber bis auf den gebrüllten Refrain ging das Ganze recht unspektakulär über die Bühne, während Spilles auf mich etwas orientierungslos und deplaziert wirkte. Vielleicht hat er sich ja selbst wieder die Frage gestellt: “Was mach ich hier eigentlich und wie weit soll das gehen?” Wieso Klatschen zwei alte Säcke ab, nachdem sie zusammen vor einem mageren Publikum eine eher magere Nummer hingelegt haben? Naja, vielleicht nicht mager, aber ernüchternd.
Warum?
Wie gesagt, das Beste (so denke ich zumindest) an dem Song ist der Refrain und den muss man auch erst mal mögen, ansonsten haben mich die Lyrics nicht gerade umgeworfen und die Melodie schon gar nicht. Aber was soll es, ich kann hier argumentieren, wie ich will, letztendlich wäre es aber immer noch das Beste, ihr würdet es euch selbst anhören… Wir sind ja schließlich das Radio eures Vertrauens und der Song ist in den DAC Charts gerade von der Vier auf die Acht gefallen - also eventuell spielt DustDevil ihn nächsten Mittwoch noch einmal - und wenn nicht… Wir sind zwar kein Wunschradio, aber Fragen kostet nix. Genug von der Kollaboration zweier Szene-Künstler und hin zum Grande Finale.
Project Pitchfork sind seit gut 15 Jahren im Geschäft und ich sollte sie zum ersten Mal sehen. Gut neben mir munkelte es, dass sie schon mal besser gewesen seien, aber das hat mir keinen wirklich großen Abbruch getan. Auf die Bühne kamen sie mit “Requiem” in meinen Augen die beste Entscheidung überhaupt, vor allem wegen der Lyrics… Ebenfalls im Programm waren natürlich “Timekiller” und der Megakracher “Existance”, dank dem mein Beitrag zu Project Pitchfork etwas kürzer ausfällt. Das liegt ganz einfach daran, dass ich alt werde und sportliche Betätigung auf mich so wirkt, wie ich mir das bei diversen bewusstseinsverändernden Drogen vorstelle. Meine folgenden Erinnerungen an das weibliche Publikum sind jetzt noch frischer, als die an die Band; ich hoffe man möge mir das verzeihen und gewinnt einen besseren Eindruck durch die Bilder hier.
Jedenfalls eine Sache, die mir gegen Ende übel aufgestoßen ist möchte ich noch loswerden und das ist das, was mich bei einer Show eines anderen Headliner zum gehen bewogen hat: Klasse Beat, aber auf Dauer monoton und nervig. Ansonsten machten die Pitchies das ganz geschickt und brachten abwechselnd neue und alte Songs. Darüber, ob sie jetzt den Erfolg hatten, den man von einem Headliner vergleichsweise erwartet hätte, lässt sich streiten, aber mir haben sie definitiv besser gefallen, als die Vorbands oder Unheilig.
Nach dem Konzert sind mir eigentlich nur der Graf am Merchandise Stand wieder, wie er es nach der angekündigten Dusche versprochen hat, und dazu noch der Bassist von Zeromancer aufgefallen, aber das war es auch schon… Die meisten Leute sind zügig nach Hause gegangen und ich wartete noch ein Weilchen auf den freundlichen Mitarbeiter, der mir den Weg nach draußen zeigte - ich brauch das nächste Mal einen VIP-Pass in Form eines Bändchens oder so!
Links:
*Yatta ist der japanische Ausruf bei besonderem Erfolg
(Die Photos wurden freundlicherweise von georgia zur Verfügung gestellt.)





