Aus dem gestrigen Artikel entstand eine angeregte Diskussion. Deswegen habe ich mich entschlossen, noch ein paar Worte dazu zu schreiben. Trends gab es und wird es immer geben. Genauso wie es immer Leute geben wird die diesen Trends folgen und Leuten denen Trends scheissegal sind. Ich gehöre zur letzten Kategorie.
Was ich wirklich schade finde ist, das viele Labels einfach nur noch dem hinterher hecheln was scheinbar gerade die ganz große Nummer ist. Die Devise scheint zu lauten “Masse statt Klasse”. Fast niemand hat den Mut neue Trends zu setzen oder neuen Bands eine Chance zu geben. Nun könnte man es sich natürlich einfach machen und sagen das liegt alles an der Krise in der Musikindustrie. Vielleicht ist aber auch genau das einer von vielen Gründen für die Krise? Wir drehen uns im Kreis.
Man sollte nicht immer mit dem Finger auf den “bösen” Filesharer zeigen und sich dahinter verstecken, sondern auch in Betracht ziehen das viele potientielle Hörer genug haben von immer demselben Einheitsbrei. Es gibt viel mehr als das was uns als das Neueste und Tollste vorgesetzt wird, obwohl es ein lauwarmer Aufguß bereits existenter Sachen ist. Nur leider liegt dies häufig nicht im hausgemachten Trend der Musikindustrie. Es gibt natürlich auch rühmliche Ausnahmen die gegen den Strom schwimmen, ich wünschte nur es gebe mehr davon.
Fortsetzung folgt…





Mir scheint das v.a. auch an der Uniformiertheit und Starrheit der Szene selbst zu liegen.
In den frühen 80ern gab es kaum eine wirkliche Schublade für all die Sachen, und da war alles mehr oder weniger nur “Post-Punk” und die Musiker und Fans haben sich noch Fantasie und Kreativität erlaubt.
Die zweite Welle, Anfang der 90er bestand dagegen schon fast nur noch aus “Fans” – also Musikern/Bands, die versucht haben ihre Lieblingsbands nachzumachen und nachzuäffen.
Die dann entweder Skinny Puppy, The Klinik, F242/Nitzer Ebb oder Depeche Mode hießen.
Ebenso, wie viele neuaufkommende Labelbesitzer mehr oder weniger nur noch Fans eines bestimmten etablierten Sounds waren.
Auch wenn sich einige echt Mühe gegeben haben (z.B. Off Beat) – die Szene wollte im Großen und Ganzen eigentlich nur dass, was schon da war.
Mit dem Ergebnis, dass sich sogar schon die Kopien von Kopien als Szene-Stars etablieren konnten (In Strict Confidence, Wumpscut, Speznaz, usw.).
Die anhaltende Gier nach immer weiteren Kopien liegt vielleicht auch daran, dass es in der Szene seit Ende der 80er/90er keine wirklich adequat befriedigenden Platten und Acts mehr gegeben hat.
Die das wirklich fortgeführt haben, was damals gemacht wurde. Im qualitativen Sinne.
Neue Technik und billigeres Equipment hat zwar dafür gesorgt, dass Musiker “fette” Sounds und dick aufgeschichtete Produktionen abliefern konnten.
An der fehlenden Substanz und fehlenden Inhalten konnte das aber nichts ändern.
Egal ob Platten wie Nitzer Ebb’s “Belief” oder Skinny Puppy’s “Too Dark Park” – außer einer Handvoll Acts hat es nach wie vor noch keiner geschafft, an deren Soundwriting und Attitüdenoriginalität heranzureichen.
Und vielleicht hofft ja die Szene mit jeder weiteren neuen Platte, auf Erfüllung und Befriedigung der Sehnsucht nach einem Act mit der Klasse. Und kauft halt solange dass, was da ist und was es gibt.
Also von den Leuten, die nicht schon frustriert “woandershin” abgewandert sind und sich weiterentwickelt haben.
So dass Szene-Youngsters dann auch nur noch die Bespaßung von irgendwelchen fantasielosen gestriegen Alt-Deppen vorgesetzt bekommen, und summa-summarum die Szene in einem immer lauer werden Süppchen vor sich hin köchelt.
Die neue Nitzer Ebb “Industrial Complex” zeigt doch ziemlich gut auf, woran es den ganzen Acts mangelt.
Und da brauchen die nur den Sound zweier ihrer alten Erfolgsalben mischen, um frischer und fescher zu klingen, als alle anderen aktuellen Nachwuchs-Projekte.