« Free Music Charts
Filesharing ist unvermeidlich »

Nine Inch Nails, Universal und virale Kampagnen

16. März 2007 | Von Falk | Kategorie: Essays

Nine Inch Nails - Year ZeroMittlerweile hat man sich ja eigentlich schon dran gewöhnt, dass man als Musikliebhaber stellenweise mit einem Bein im Gefängnis steht. Wenn man als eben Solcher dann noch eine Webseite betreibt, wirds doppelt gefährlich. Erst vor Jahresfrist berichteten wir darüber, was passieren kann, wenn man sogar nur auf Songs verlinkt.

Denn hierzulande gibt es eben einen gesetzlich verankerten Schutz der Urheber, welcher allerdings im Zeitalter des Internet den einfachen Möglichkeiten, Inhalte verfügbar zu machen, etwas hinterher hinkt. Es ist nun einmal nicht erlaubt, öffentlich Werke anzubieten, die diesen Schutz geniessen. Es sei denn, man hat das Einverständnis des Urhebers.

Und von eben einem solchen Einverständnis ging Christoph Boecken, Betreiber des Blogs Jeriko One, aus. Denn den Song, den er dort zum Anhören bereit gestellt hat, gehört vermutlich zu einer breit angelegten Viralkampagne Trent Reznors. Zu dieser passte auch, dass auf diversen Konzerten “versehentlich” USB-Sticks auf Toiletten liegen bleiben, welche Songs des neuen Albums “Year Zero” beinhalten (Mehr Infos dazu unter Anderem bei laut.de).

Soweit so gut, bis zu dem Punkt schien eigentlich alles okay. Wenn da nicht ein paar uninformierte Anwälte in Hamburg gewesen wären, die in dem Bereitstellen des Songs eine Urheberrechtsverletzung gesehen haben. Und diese, wie sie es ja schon zigfach getan haben, abmahnten. Inklusive einer nicht unerheblichen Kostennote.

Universal hüllte sich in Schweigen und vermutlich wäre die ganze Sache nach der Zahlung der Kostennote sogar wieder eingeschlafen. Wenn nicht dann am vergangenen Mittwoch die Tour hier in Deutschland gestartet worden wäre und die Promoagenturen damit begannen, mit jener Kampagne Werbung zu machen. Und plötzlich wird der Geschmack dabei nicht nur mehr nur schal, sondern regelrecht ekelhaft. Und Sätze wie

So wurden z. B. auf einer Toilette der Konzerte in Lissabon ein USB-Stick mit einem Song des neuen Albums gefunden, letzte Woche dann sogar das Video zur ersten Single “Survivalism�? - ebenfalls auf einem Konzert und auf einem USB-Stick - und das alles bevor es irgendwo auf einem Musiksender zu sehen oder zu hören war. Bleibt abzuwarten, ob den deutschen Fans ein ähnliches Vergnügen auf der am Mittwoch startenden Tour vergönnt ist. (Quelle: Universal Newsletter)

bekommen einen richtig bitteren Beigeschmack. Denn zumindest ein deutscher Fan durfte erleben, was ihm vergönnt ist, wenn er sich an dieser Promotionaktion beteiligt.

Im Moment scheint dann allerdings doch ein wenig Bewegung in diese Geschichte zu kommen und vielleicht finden auch große Plattenfirmen und deren Anwälte den Weg zurück zu Moral, Anstand und Respekt. Ansonsten bleibts wie es ist und man kann kaum noch guten Gewissens für solche Firmen hier Promotion machen.

Update 20.03.2007

Vielleicht kein Wunder, aber zumindest ein Zeichen der Vernunft hat Universal in diesem Fall veranlasst, den eigenen Fehler einzugestehen, die Abmahnung zurückzuziehen, des Geld zu erstatten und obendrein noch einen Konzertbesuch inklusive Treffen mit Trent Reznor zu spendieren.

So gehts doch auch!

Artikel bewerten:
NajaGehtFeinPrimaGenial (Bisher nicht bewertet)
Loading ... Loading ...

Keine Kommentare möglich.