Der Durchschnittsdeutsche braucht Schubladen – für´s Besteck, für die Socken und leider auch für die Musik. Von diesen Schubladen gibt es mittlerweile eine ganze Menge und meist gibt es mehrere für ein und dieselbe Richtung. Wer soll da noch durchsehen? Das diese Verwirrung mittlerweile auch die Musikindustrie erreicht hat, zeigt dieser Tage die Compilation “Gothic Spirits – EBM Edition” von der mittlerweile der zweite Teil erscheint.

Zunächst springt einem da das Cover ins Auge. Glasklar zu erkennen ist der typische EBM-Fan. Zum Fototermin war das Outfit leider in der Wäsche, zieht man halt das Cyber-Outfit der kleinen Schwester an. Vielleicht auch nur ein Ausrutscher? Gucken wir uns mal Cover von Teil 2 an.

Nun ja, das Auge kauft zwar mit, aber sicher reißt die Tracklist alles raus. Und so befinden sich auf beiden Teilen dann so knallharte EBM-Bands wie The Crüxshadows, Metallspürhunde, Megaherz und Eisbrecher. Das fegt den wahren EBM-Fan aus den Sitzen – Jackpot! Ich gebe zu es wäre wohl etwas zuviel verlangt genauer zu recherchieren. Die Zeit drängt und der Rubel muss rollen.
Wenn es schon Schubladen gibt, warum dann ganz offensichtlich etwas in eine packen in die es definitiv nicht reingehört? Vorsetzlicher Etikettenschwindel? Ich sage – Skandal!
Fortsetzung folgt…





Dein Frust ist zu verstehen… aber ich denke, das gibt sich wieder. Diese Alben werden sich vermutlich zu 99% entweder an Sammler der gelisteten Bands oder aber über das Visuelle verkaufen (wem’s denn gefällt…). Der geneigte “EBM-Fan” dürfte den Braten spätestens bei einem Blick über die Tracklist riechen und das Teil wieder zurück ins Regal legen. Wer’s aus Versehen kauft, wird’s bei amazon.com & Co. hoffentlich in Grund und Boden recherchieren, um andere davon abzuhalten, seinem Beispiel zu folgen. Sellout gibt’s (leider) überall, und das Gros des Zeugs findet sich morgen im Wühltisch / amazon z-shop für einsfuffzig die CD. Dort, so bin ich optimistisch, richtet der Markt die Dinge, genauso wie bei DSDS und Co., deren “Stars” es letztlich ähnlich ergeht. Das einzige Problem, was ich wirklich damit habe, ist, wenn die einschlägige (Dunkel-)Presse in diesselbe Kerbe zu schlagen beginnt, durch den Fokus auf Oberflächlichkeiten und notfalls auch Berichterstattung über redundante Bands, die “gut aussehen”, diesen Trend (weg von musikalischer Substanz) pusht. Aber das ist wohl ein anderes Problem…
Cheers,
Kristian
@KR: Frust ist das falsche Wort, für mich ist es eher fremdschämen. Das die (Dunkel-)Presse mittlerweile auf fast jeden Zug aufspringt, habe ich ansatzweise schon in meinem Artikel zum Thema “Twilight” erwähnt. Alles was nur ein kleines bisschen nach schwarz aussieht oder den Eindruck erweckt es könnte irgendwie Aufmerksamkeit erhaschen, wird mittlerweile vermarktet. Dabei zeichnete sich diese Szene doch mal durch ihre Individualität aus. Die Anbiederung an Trends des (Massen-)Mainstreams ist mittlerweile widerlich.
@Andy: Natürlich, da kommt von mir auch kein Widerspruch. :) Ich frag’ mich nur: Warum dem Krempel noch mehr Aufmerksamkeit einräumen durch öffentliches Fremdschämen / Darüber-Grummeln? Selbst besser machen (das tut Ihr ja offensichtlich), und Zeugs wie dieses einfach ignorieren oder in die Tonne / den Rundordner / nach /dev/null verschieben. Die endlose, in sich geschlossene Ereigniskette “innovative Bands -> kommerzieller Erfolg -> Myriaden schlechter Kopien bis(s) zum Erbrechen -> nächster Trend” ist ja eh’ immer diesselbe. Ich glaub’ schon, daß Fans, die nach bestimmter _Musik_ suchen, imstande sind, solcherart Marketing-Rauschen auszublenden… Ich hab’ auch irgendwann aufgehört, mich darüber zu ärgern, daß ein gewisses großes Klamotten-Store angefangen hat, Shirts mit alten Motörhead- und Iron Maiden – Motiven zu verticken an eine Generation/Zielgruppe, für die _definitiv_beide Bands Unbekannte sind. Mode und Trends höhlen die Dinge aus, verlagern sich aufs Oberflächliche, machen sich keine wirklichen Gedanken über Inhalte oder Substanz. Soll dem doch folgen, wer’s braucht. Wichtig ist eigentlich nur, daß es Alternativen gibt… ;)
Also ich für meinen Teil find das ausgesprochen stark, daß hier mal wieder Klartext geschrieben wird. Wer, wenn nicht wir, traut sich das noch? Schweigen ist in dem Falle eben auch kein probates Mittel, da dieses im Werberauschen untergeht…und wer jetzt durch unseren Beitrag hier an den genannten Samplern Interesse gefunden hat, kennt dann wenigstens unsere Meinung dazu. Und das halt ich ebenfalls für wichtig, da mal wieder ein paar Dinge gradezurücken – vor allem, da wir als Radio auch immer wieder in diverse Schubladen hingesteckt oder gezwungen werden, die wir einfach gar nicht wollen.
Vor allem ist es eben auch interessant, damit unsere gebotene Alternative auch als solche wahrgenommen wird. Kontrastpunkte lenken den Blick dann hoffentlich wieder auf das Wesentliche :)
Die Musikindustrie leidet genauso wie viele andere Industriezweige unter dem zwanghaften Druck des Erfolges der Manager. Es geht nicht mehr um Qualität es geht um Geld. Das was Musik ausmacht ist denen völlig wurscht. Es geht um Kontostand und nicht um Inhalt es geht um Wachstum und nicht um den Spaß. Das soll nicht heißen das man mit Musik kein Geld verdienen soll aber ich meine das Musik genau genommen eine für uns Menschen eindeutige Sache im emotionalen Bereich ist und das merkt man bei älterer Musik ( ich bin 48 und kann zumindest auf ungefähr 36 Jahre aktives hören zurückschauen). Dieser emotionale Anteil läßt sich nicht ausblenden und der fängt an zu fehlen weil zum einen die Altersstruktur in der Musik sich äquivalent zur gesellschaftlichen Alterstruktur zu verändern beginnt und immer weniger junge Menschen in immer mehr Musikrichtungen immer weniger Umsatz bedeuten und somit der ältere nicht mehr do trendige Hörer bei Laune gehalten werden muß. Da sind viele Schubladen weil die Gesellschaft ja individualität geradezu celebriert. Wer da nicht dabei ist, ja der ist ein armer A….H.
Um es auf den Punkt zu bringen wer nicht mitmacht bei den Schubladen wird schon von vornherein als Spießer verschrien und mal ganz ehrlich wer zu einem Konzert geht wo es recht schwarz zugeht aber vielleicht einfach nur die Musik gut findet den Rest aber nicht ja der wird wenn er denn auch noch so wie ich schon auf die 50 zugeht schief angeglotzt. Ich persönlich praktiziere seit meiner ersten Schallplatte den Konsum meines Geschmacks und das geht wirklich in sehr verschiedene Richtungen. Ich maße mir nicht an anderen erklären zu wollen ob das was sie hören nun gut oder schlecht ist und die aktuelle Einheitspampe hat ja auch ihre Liebhaber die man tolerieren sollte. Das einzige was ich als Musikliebhaber nicht toleriere ist die ächtung freier Musik und freier Entscheidung. Ich muß nicht alles gutfinden was man mir präsentiert und ich brauche mir nicht den nonverbalen Leidensdruck der Musikindustrie auf die Schulter laden denn sie wird ohne mich zurunde gehen.
Ich höre mir vielleicht dann mal wieder eine gute Platte von den Stones an und singe dazu :
oder aber ich greife auf meinen Fundus von Schallplatten mit Maria Callas zurück denn die Grenzen setze ich selber nicht andere.
Schöne Grüße
Ich find’s ja lustig, dass das Wort “EBM” momentan wieder recht hip und beliebt zu sein scheint.
Nachdem in den 90ern ja um Gottes Willen bloss niemand mehr (dummer) “EBM” sein und machen wollte, und bitteschön unbedingt alles mit Breakbeats, Metal-Riffs-Samples und Trance-Sequenzen zugeklebt werden musste, oder später sogar die Hemmschwelle zum Eurodance überwunden wurde und mit Dave-Gahan/Peter-Spilles-Gesang drüber schlimmster Großraumdisko-Sound als akzeptabel empfunden wurde, scheint jetzt das Schlagwort “EBM” wieder recht en Vogue zu sein.
Fragt sich nur wie lange. Vielleicht ist da schon bald auch bloss noch von “OiBM” die Rede.
Passender wäre es eh, und “erbe-schohnender” ebenso.
Aber Marilyn Manson und Orgy haben es ja auch schon zum “Industrial” geschafft.
Ansonsten frage ich mich – anhand von Slogans wie “Gothic Spirit – EBM Edition” – welche Checkung und welches Traditionsbewußtsein eigentlich die Leute der Branche (Labels/DJs/Mags) noch haben, bzw. welchen IQ die ihr Zielgruppe eigentlich noch zutrauen.
Aber bei dem was da musikalisch und grafiktechnisch die letzten Jahre abgeht, scheint die Zielgruppe eh bloss noch im unbedarftesten unqualifiziertesten Hauptschüler-Bereich liegen.
Also die “schwarze Variante” von Billig-Popkultur – für die, die sich nicht für DSDS und Britney Spears entscheiden.