The Cure – 4:13 Dream

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Kategorie: CD der Woche, CD-Kritiken
10. November 2008 | Von Falk | 239 mal aufgerufen
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    Die Beste Band Der Welt (zumindestens aus Sicht der “Letzten Enklave Des Guten Geschmacks”) hat ein neues Album veröffentlicht: 4:13 Dream.

    Nach mehrmaliger Verschiebung, Single-Marathon und einem Remix-Zwischenhäppchen ist das 13te Studio Album von The Cure endlich in die Vinyl-Schränke der Fans gewandert. Viele, vor allem alte Gruftsportler sind der Meinung, nach “Disintegration” hätte sich die Band auflösen sollen. Hat sie ja auch. Zum geschätzten 13. Mal.

    Uralte Krusties
    , so wie der Schreiberling einer i.S.d.A. ist, wagen sogar die These, nach der “Pornography” ging alles in die Westentasche. Trioauditive Verwicklungen und doch will niemand Songs wie “Open” und “Want” missen. Und wenn es einen perfekten Abgang gegeben hätte, dann mit “Bloodflowers” auf gleichnamigem Album. Aber skandalöserweise wurde danach “The Cure” auf dem Markt geworfen. Das Bands wie New Order oder Pink Turns Blue in ihrem Reunion-Wahn den Sound von “The Cure” aufgenommen und danach interpretiert haben juckt heute doch keine Sau mehr. Denn “die sind doch eh alle tot, oder zumindestens riechen sie so.”.

    WAS erwartet den geneigten Rezipienten bei dem, hoffentlich Kauf von “4:13 Dream”?

    Natürlich wieder das Geseiere alter Säcke und den Zufluss neuer Freunde auf Konzerten Der Besten Band Der Welt. Im Freitag nichts Neues? Vielleicht. Der erste Track, den “alten Sack” einbindend beginnt mit dem “Pictures Of You”-Glockenspiel. Um die Union der Versprengten zu komplettieren, so scheint es, ist der Text von “Underneath The Stars” eine neue Interpretion des “Jupiter Crush” Themas. In diesem Falle wird allerdings ebenfalls gut, was schon gut war. Vielleicht sogar besser, weil nicht so popig verorchestralt.

    Doch bleibt einem ein leicht säulerlicher Geschmack im Mund, wenn man kein Konzert verpasst. Denn was ist, wenn mitten im Konzert die Glocken klingeln und einem das so herbei gesehnte “Pictures Of You” verwehrt wird? Zumindestens im Land “of the brave and the free” werden sie steil gehen! Dieser Umstand hilft uns arroganten Europaern auch nur über die bereits bekannte “The Only One” Single hinweg und mit “Reasons Why” holt auch uns die Realität wieder ein.

    Musikalischer Stillstand feat. Musics New Pop Model. Ganz schlimme Machwerk, fast schon gruselig…

    Normalerweise käme an dieser Stelle ein: “Ja, aber der Text reißt es raus, Olle!”. Together -> Weather ? Ganz schlimm. Aber ich würde mich doch dem Wunschgedanken anschließen, denn auch wenn der Text für Robert eher untypische Simplifizismen beinhaltet, ist der Grundgedanke doch schlüssig und gewohnt souverän an den Mann gebracht. Zum Glück aller ist der nächste Track “Freakshow”, welchen wir alle schon als 2te Single (in Albumorder) im Schrank haben. Persönlich fand ich den Song sehr “erfrischend”. Der Sound für die Japanese Whispers wäre lässig gewesen. “Sirensong” ist der zweite Ausflug in die Vergangenheit. In diesem Falle betrifft es das modernisiert musikalische 85er “Head On The Door” Epos. Zielsicher präsentiert sich hier der Text, denn wer kennt die Sirene nicht und wer spricht sich los? Niemand, ergo kann Mann, oder Frau, if you are one, sich genüsslich dem eigenen Zerfleischungsprozess widmen, natürlich mit dem klassischen Robert Verdreher am Ende.

    Immerhin ist der Anfang von “Real Snow White” etwas grindermanesk und knüpft im Mittelteil an “Before Three” an, einem der Glanzlichter des “The Cure” Albums. “She wasn’t made to shine – She was really only ever made to glow – I left her in the dark” ist sicherlich kein zielführendes Zitat aus diesem Lied, aber auch nur ein herausgepicktes Zuckerstückchen…für den Pöbel. Nach all diesen Hochs und Tiefs wird spätestens bei “Hungry Ghost” auch dem pornobesessendsten Menschen die Ho..äh das Herz aufgehen. Musikalisch kommt die Nummer retro-frisch daher. Der Anfang ließ auf einen neuen “How Beautiful Your Are”-in-Moll-Sound hoffen, überraschte aber stattdessen mit lässigen, freischwingenden Gitarren und ohne Gitser-Solo und das aufkommende Arrangement wäre der Track ohne jeglichen Popverdachts. Textlich trifft sich hier ein Konglomerat aus Tocotronics “Hi Freaks”, der Justin Sulli7van “All Of This” Forderung und der gewohnt herzbetonten Cure-Lethargie am Ende.

    Den Anfang von “Switch” als Scratchy-flatschie zu bezeichnen wäre sicherlich nicht verkehrt. Genauso wenig verkehrt, sondern genau richtig kommt der Gitarrensound daher, welcher sicherlich auf Live-Konzerten eine erfrischende Ergänzung zu “Kiss”-Krachern bieten wird. Lyrisch thematisiert sich hier der vielen nur zu gut bekannte Umstand, dass man gestern noch jemand anderes war als heute und morgen das heute schon gar nicht mehr wiedererkennt. Sicherlich kein revolutionäres Thema, eher ein Klassiker, wenn man mal gar nicht weiter weiß, aber immerhin brilliert Robert hier mit ein paar netten Wortspielen und transportiert stilsicher seine Botschaft in den Rezipientengehörgang.

    Wiederum bekannt als Single ist “The Perfect Boy”, zu dem es einige Lobeshymnen zu zelebrieren gilt, aber hier wollen wir uns ja auf die unbekannten Songs konzentrieren. “This. Here and Now. With You” wird wohl für Männer ein Klassiker, wenn die Frau des Vertrauens vor dem Poppen zu viele Fragen stellt. Musikalisch stellt sich hier lediglich die Frage, ob Yusuf Islam sein “Don’t Let Me Be Misunderstood”-Anfangsdödelsample wiederhaben möchte. Umrahmt von “Perfect Boy” und “Sleep When I’m Dead” könnte dieser Song trotzdem etwas untergehen, aber die Hoffnung stirbt gerne in Beisein des guten Geschmacks.

    Eine musikalische Überraschung erleben wir mit dem Depri-Gassenhauer “The Scream”. Könnte man der Meinung sein, dieser Song passt so gar nicht ins Album? Nein, denn immerhin bringt er die Vielfalt zurück und gut gemachte Songs sind bekanntermaßen immer willkommen. Textlich könnte am Anfang die Meinung aufkommen, Robert sollte die Finger von Drogen lassen, damit die Wahrnehmungsstörungen aufhören, die er dort durchlebt. Doch auch dieser Eindruck wird wie gewohnt am Ende stiltreu aufgelöst und zu einem gelungenen Gesamtmachwerk zusammen gefügt. Und für Livegänger und Liebhaber der “Robert-Battle” (Schafft man mehr “and again and again…”’s als Robert?) könnte sich hier mit dem “Scream” eine neue vorher-tief-Luft-holen Sektion ins Konzert schmuggeln.

    “It’s Over”, der letzte offizielle Track auf “4:13 Dream” erdreistet sich doch glatt, musikalisch nochmal fetzig, fast schon rockig um die Ecke zu linsen und kommt damit sogar ohne Prügel davon. Fingerfertig zeigt hier Robert nocheinmal, was Fan schon immer wußte: Der Allround-Dilletant kann eine krachige Gitarre auf’s Parkett schmettern. Als sicherlich zu bemängelnder Punkt in diesem Song ist die Schnelligkeit, in dem der Text runtergewuselt wird. Und zwar deshalb, weil man kaum so schnell im Booklet mitlesen kann. Wird man wohl getrost den Song mit voll aufgedrehten Boxen mehrmals hören müssen, so ein Pech aber auch…

    An dieser Stelle sollte sicherlich ein allumfassendes, vielleicht sogar bewertendes Resümeé folgen, doch ehrlich geschrieben fällt mir dieses zu schwer. Außerdem sollte sich ein pflichtbewußter Rezipient in der Lage sehen, sich nach Kauf und mehrmaligem Durchhören eine eigene Meinung zu bilden.


    THE CURE “4:13 Dream” (Suretone/Geffen/Universal)

    VÖ 24.10.2008


    Tracklist:

    1. Underneath The Stars
    2. The Only One
    3. The Reasons Why
    4. Freakshow
    5. Sirensong
    6. The Real Snow White
    7. The Hungry Ghost
    8. Switch
    9. The Perfect Boy
    10. This. Here And Now. With You
    11. Sleep When I’m Dead
    12. The Scream
    13. It’s Over

    www.thecure.com

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